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Geschichte der Juden.
von dem Turm Hippikos im Westen, machten einen weiten Bogen imNorden und reichten bis zum. Kidron-Tale im Osten des Tempels.Sobald sie eine gewisse Höhe erreicht hatten, wurde dieser Stadtteilfeierlich eingeweiht. Der König, das große Synhedrion, Levitenchöre,gewiß auch der Hohepriester und hinter ihnen das Volk umzogen ihnin Prozession längs der Mauer. Im Tempel sangen die Levitenchöreden Psalm 30, welcher die Erhebung des Volkes aus der Niedrigkeitzum Inhalte hat (o. S. 346). Damit wurde Bezetha zum Bestand-teil der heiligen Stadt erklärt. Aber die Vollendung der MauernHintertrieb der damalige Statthalter von Syrien Vibius Marsus.Er durchschaute den Plan, den Agrippa mit der Befestigung verfolgte,schilderte dem Kaiser die Gefahren, die daraus für Rom entstehenkönnten, und setzte es durch, daß ein Befehl an Agrippa erging, dieBefestigung einzustellen ^). Agrippa mußte gehorchen. Er war nochnicht in der Lage, Widersetzlichkeit zu zeigen. Aber er hatte im Sinne,Roms Macht in Judäa zu schwächen, und vereinigte sich mit den ihmbefreundeten und verschwägerten Nachbarfürsten, um eine selbständigeHaltung gegen Rom einzunehmen. Er lud daher diese Fürsten unterdem Vorwände harmloser Vergnügungen zu einer gemeinsamen Ver-abredung nach Tiberias ein. Es trafen in der galiläischen Hauptstadtein Antiochos, König von Commagene, des judäischen Königs Ge-sinnungsgenosse, dessen Sohn Epiphanes mit Agrippas jüngster Tochterverlobt war; ferner Sampsigeramos, König von Emesa, dessenTochter Jotape mit Agrippas Bruder Artistobul verheiratet war^),ferner Kotys, König von Kleinarmenien, Polemon, Fürst vonCilicien und endlich Herodes, Agrippas Bruder, König von Chalkis.Alle diese Fürsten waren von Claudius in ihre Stellung eingesetztworden und hatten daher von einem Thronwechsel in Rom oder vonden Einflüsterungen einflußreicher Personen bei Hofe den Verlust ihrerWürde zu fürchten. Marsus aber schöpfte von dieser Eintracht unddiesem Zusammentreffen befreundeter Fürsten Verdacht, traf plötzlichin Tiberias ein und bedeutete den Versammelten mit altrömischemStolze, sich sofort in ihre Heimat zu begeben^). Und so gefürchtetwar Rom, daß diese Fürsten auf ein Wort eines kaiserlichen Dienersauseinander gingen.
Indessen hätten wohl Agrippas Unternehmungsgeist und AusdauerJudäa vor neuen Demütigungen geschützt und auch für die künftigeSicherheit gesorgt, wenn ihn nicht der Tod im Alter von vierundfünfzig
*) Josephus Altert. XIX, 7, 2. Vergl. über Lage und Bedeutung derBezetha Note 22 am Ende.
-) Josephus Altert. XVIII, ö, 4. Das. XIX, 8, 1.