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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Agrippa I.

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Haupt des hohen Rates Gamaliel, Hillels Enkel, auf dem Tempel-berge saß, sei ihm eine Übersetzung des Buches Hiob, ohne Zweifelin griechischer Sprache, als etwas ganz Neues eingehändigt worden.Er habe aber kein Behagen daran gefunden, vielmehr sofort den Be-fehl erteilt, die ihm überreichte Rolle in das Gemäuer des Außen-werkes des Tempels, an dem damals noch immer gearbeitet wurde,zu stecken. Gamaliel hielt die Übersetzung eines der Bücher, welchenicht zur Sammlung der Schriften der Thora und der Propheten ge-hören, für schädlich i).

Die glückliche Zeit der agrippinischen Regierung war indessennur von kurzer Dauer. Wenn auch der Kaiser Claudius Vertrauenzu Agrippa hatte, so beargwöhnten doch seine Diener jeden Schrittdes judäischen Königs und sahen darin ein Vorzeichen des Abfalls.Agrippas Gewandtheit, Selbständigkeit und nationaler Sinn erschienenden Römern, die ihn in der Nähe zu beobachten Gelegenheit hatten,für die römischen Interessen gefahrdrohend. Sie täuschten sich in derTat nicht. So sehr auch Agrippa mit Rom liebäugelte, so war er dochdarauf bedacht, Judäa in den Stand zu setzen, einem Zusammenstößemit Rom, der ihm unvermeidlich schien, gewachsen zu sein. Hing jadie Gunst oder Ungunst Roms von der Zufälligkeit ab, welche Personan die Spitze der Weltmacht gestellt war, und selbst der beste Herrscherwar gegen die Vorurteile der römischen Großen und die Ränke seinerUmgebung machtlos. Agrippa, der mit ganzem Herzen judäischer Königgeworden war, wollte sein Volk nicht von der Laune irgend einerPersönlichkeit abhängen lassen; darum ließ er Baumaterialien in Füllenach Jerusalem bringen und ging ans Werk, die Vorstadt auf demHügel Bezetha im Nordosten der Stadt, nördlich von der BurgAntonia (Baris) durch starke und hohe Mauern zu befestigen. DieserStadtteil war allmählich durch Zunahme der Bevölkerung entstanden.Hier waren Marktplätze für Wollhändler, Erzschmiede, Kleider- undViehverkauf. Bei eineni feindlichen Angriff auf Jerusalem war aberBezetha zuerst gefährdet und dadurch auch die benachbarte Antonia.Deswegen ließ sich Agrippa vom Kaiser Claudius, der ihm nichts ver-sagen konnte, die Erlaubnis zur Befestigung derselben erteilen, unddie Hofkreaturen gewann er durch Geschenke dafür. Auch hatte dieseVorstadt (Oberbezetha) nicht die Heiligkeit Jerusalems, weil sie offenwar. So wurde die Umwallung unternommen. Es wurden dazuQuadersteine von zwanzig Ellen Länge und zehn Ellen Breite ver-wendet, und die Dicke der Mauern betrug zehn Ellen. Diese begannen

U Bergt. Monatsschr. Jahrg. 1877, S. 83 fg.