310 Geschichte der Juden.
Die Gläubigkeit fand so auch nicht den geringsten Grund an seinerMessianität zu zweifeln.
Indessen so hoch die ersten Gläubigen Jesus verehrten und so sehrsie ihn verherrlichten, so haben sie ihn doch nicht über die menschlicheSphäre hinausgehoben; ihre Begeisterung ging nicht so weit, ihn alsGott zu betrachten. Sie hielten ihn nur für einen höherbegabtenMenschen, der nur, weil er wie keiner vor ihm das Gesetz erfüllthabe, würdig befunden worden, der Messias Gottes zu sein. Siewichen daher vom Gesetze des Judentums nicht ab, beobachteten Sabbat,Beschneidung, Speisegesetze und hielten Jerusalem und den Tempelheilig i). Schwerlich würden sie das Gesetz beobachtet haben, hätte sieJesus die Verwerfung desselben ausdrücklich gelehrt, oder hätten sieihn davon abweichen gesehen. Doch hatten sie auch neben dem Glaubenan den bereits erschienenen Messias einige Eigentümlichkeiten, wodurchsie sich von den übrigen Judäern unterschieden. Die freiwillige Über-nahme der Armut, die sie Jesus gelehrt, war ein hervorstechender Zugan ihnen. Sie beriefen sich auf seinen Ausspruch, den er den Jüngerneingeschärft habe: „Ihr sollt nicht Gold, noch Silber, noch Erz in
enern Gürteln haben, auch keine Taschen zur Wegefahrt, auch nicht
Richtige hat Strauß im Freimut seiner letzten Wandlung ausgesprochen: „Esmag demütigend sein für den menschlichen Stolz, aber es ist so: Jesus könnteall das Wahre und Gute, auch all das Einseitige und Schroffe, das ja doch aufdie Massen immer den stärksten Eindruck macht, gelehrt und im Leben betätigthaben; gleichwohl würden seine Lehren wie einzelne Blätter im Winde ver-weht und zerstreut worden sein, wären diese Blätter nicht von dem Wahn-glauben an seine Auferstehung, als von einem derben, handfesten Einbande zu-sammengefaßt und dadurch erhalten worden." (Alter und neuer Glaube, S. 72).
*) 1u8tinu8 äiaIoKU8 vuiu Irz'pbous s. 48. „7<oir »öl -r-vr? — —
Ori 0 61118 U1:1l080pbnm6ua (llippo-
Iz'tN8), sä. Ilillsr, 1 >. 257 1 ,/LAkv-v lldlmr (°L,j-.o!va7oi.). x«r«
Pltaxorrk? <Hx»loüaAa>. x»t röv Fkötxa-lüvAa- röv
vö^ov. 0 lä xar Xpiaror -k «T-PUa <riüv (71^0 av-roü)
-rör '/ 7 /vouv eD 'lawHr/i — Irsua,6N8 contra
k1g.srs8S8 I, 2t>: „Lt oireumoiäuutur — gut äionutnr Lbionaei — ao psi'8S-vsramt in bi8 eon8ustncliuibn8, guas 8nnt 8scunäum IsZsm et .Inäa'ieocbaraotsrs vitas, uti st UrsroMl^nm actoreut, gua.8r äomu8 8it veo".Merkwürdig ist es, daß Ewald auch »och zum Teil den ebionitischen Stand-punkt hat. Er schreibt in seinem: Christus und seine Zeit (S. 445): „Auchdie höchste göttliche Kraft, wenn sie in dem sterblichen Leib sich hält und inbestimmter Zeit erscheint, findet in diesem Leibe und in dieser Zeit ihre Grenze.Und nie hat Jesus als der Sohn und das Wort Gottes sich mit dem Vaterund Gott selbst verwechselt und vermessen sich selbst diesem gleichgestellt".Wie setzt sich aber Ewald mit seinem Lieblingsevangelium Johannes aus-einander, welches geradezu aufstellt, Jesus habe sich Gott gleichgestellt? (vergl.