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Anklage gegen Jesus.
Über Jesu Einzug in Jerusalem und sein Auftreten im Tempelhat die Sage einen Dämmerschein der Verherrlichung verbreitet, dernur wenig Geschichtliches enthält. Das Volk soll ihn im Triumpheunter Hosiannagesang nach Jerusalem geleitet haben; aber dasselbeVolk soll einige Tage später seinen Tod verlangt Habens. Das einewie das andere ist erdichtet, das eine, um seine Anerkennung alsMessias von seiten des Volkes darznstellen, das andere, um die Blut-schuld seiner Hinrichtung auf das ganze Volk Israel zu wälzen. Ebensowenig geschichtlich ist der Zug, daß Jesus gewalttätig im Tempelaufgetreten sei, Wechseltische für die Tempelspenden umgeworfen unddie Taubenverkänfer ans dem Tempel verjagt habe. Eine solche Auf-sehen erregende Tat würde in den anderweitigen Quellen ans jenerZeit nicht verschwiegen worden sein. Auch ist es unrichtig, daß Tauben-händler und Wechsler ihre Verkaufsläden innerhalb des Tempelsgehabt hätten. Der Markt für Vögel zum Opfern war außerhalbder Stadt in Bethanien auf dem Ölberge im Norden unter einer Ceder.Auf dem Tempelberg wurden nur Öl, Wein und Mehl für unblutigeOpfer nicht um Geld, sondern gegen Marken geliefert, weil es nichtjedermanns Sache war, das für solche Opfer vorgeschriebene Maßzu kennen. In der Nähe des Tempelberges waren allerdings Wechsel-tische für solche ausgestellt, welche es verabsäumt hatten, zur rechtenZeit — in dem Monat vor dem Passahfeste — die Tempelspende zuentrichten -). Gegen diesen Brauch, Geld in der Nähe des Tempelszu sammeln, mag sich Jesus tadelnd ausgesprochen haben, weil ihmder Mammon überhaupt widerwärtig war. Daraus hat wohl dieSage eine Tempelstürmerei und Tempelreinigung gemacht^).
Überhaupt ist gerade der wichtigste Abschnitt seines Lebens, dieStellung, welche Jesus in Jerusalem dem Volke, dem Synhedrio» undden Parteien gegenüber eingenommen, ob er sich öffentlich als Messiasausgegeben hat, und wie dieses ausgenommen worden, in den Quellenin so schillernden Farben gehalten, daß man den geschichtlichen Kernvon den sagenhaften Ausschmückungen und Erfindungen gar nicht unter-scheiden kann. Vorurteile mögen allerdings in der Hauptstadt gegenihn geherrscht haben. Bon einem gesetzesunknndigen Galiläer hat dergebildete Teil des Volkes das messianische Erlösungswerk am aller-wenigsten erwartet; es verstieß überhaupt gegen die Jahrhunderte langgehegten Vorstellungen, den Messias aus Galiläa kommen zu sehen,während man ihn aus Bethlehem und dem Stamme Davids erwartetes.
1) Matth. 21, 0 fg, vergl. »nt 27, 23.
2) ZI. Lebskaliin, I, 3. Vergl. Note 20.
Johannes 7, 41 f., 52.