Pontius Pilatus.
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Beth-Saida (üüaickau) hieß, nannte Philipp Julias*), nach Angustus'Tochter. Die cäsarische Familie hatte nicht viel mehr Denkmäler inRom als in Judäa. Philipp besaß indessen einen stillen Charakter,war ohne starke Leidenschaften und verwaltete sein Fürstentum sieben-unddreißig Jahre (4 vor — 94 nachchr. Z.) ruhig 2 ). Antipas hingegenhatte etwas von seines Vaters Hang nach Ausschweifung und vondessen Blutgier.
Grains' Nachfolger im Amte, Pontius Pilatus, der durch einewährend seiner zehnjährigen Verwaltung (26 bis 36) vorgefallene Be-gebenheit eine weltgeschichtliche, Berühmtheit erlangt hat, zeigte gleichbei seinem Antritte, daß die judäische Nation bisher noch nicht genugErniedrigung erfahren hatte, und daß sie sich gefaßt machen müßte,den Leidenskelch bis auf die Hefe zu leeren. Es genügt, um Pilatuszu charakterisieren, daß er den Posten übernahm, als der tückischeMinister Sejan Kaiser und Senat erzittern machte, daß er folglichSejans Kreatur war und von ihm nach Judäa abgeorduet wurde.Pilatus blieb hinter seinem Herrn nicht zurück. Er versuchte, waskein Landpfleger vor ihm gewagt hatte, die empfindlichsten Seiten derjudäischen Nation zu verletzen und sie in ihren religiösen Gefühlen zukränken; er wollte die Judäer daran gewöhnen, den Kaiserbildern gött-liche Verehrung zu zollen. Bis dahin hatten die Führer der römischenTruppen die Scheu der Judäer vor Bildnissen, in denen sie nicht mitUnrecht Menschenvergötterung erblickten, soweit geschont, daß sie die-selben beim Einzug in Jerusalem von den Fahnen abznnehmen pflegten.Dieser Empfindlichkeit mußten auch Herodes und seine Söhne Rechnungtragen; sie durften auf ihre Münzen nicht die Köpfe Angustus' oderTiberius' Prägen, so gern ihre Liebedienerei es getan hätte. Nur derTetrarch Philipp machte eine Ausnahme davon. Seine Münzen zeigendas Bildnis der beiden Kaiser ^), weil in seinem Fürstentnme mehrHeiden als Juden wohnten. Pilatus wußte also sehr wohl, daß bisdahin auf die Bilderscheu der Judäer Rücksicht genommen worden war.Er aber gedachte sie zu verhöhnen. Hatte er einen geheimen Auftragvon Sejan, die Judäer geradezu zu kränken und zu reizen, oder tater es aus eigenem Antriebe, um Aussicht auf reiche Bestechung zuhaben? Man weiß es nicht. Heimlich ließ er die Kaiserbilder, die
*) Es ist unnötig mit Reland zweierlei Bethsaida anzunehmen, weil dasJohannes-Evangel. (12, 21) r,)? nennt. Der evangelische
Verfasser war einfach in der Topographie Palästinas schlecht unterrichtet. (Vergl.zu der Frage die Literatur, die Schürer II 0 , 162, Anm. 432 ansührt.)
*) Jos. das. XVIII, 4, 6.
Vergl. Madden, 6oius ol Ibs Isrvs. 1881, 123 ff., dis Münzen Philipps.