Antipater, Herodes' Sohn. 233
Selbstverständlich ging er nicht gerade schonend mit den entdecktenVerschworenen nm. Die Pharisäer, die sich am tiefsten eingelassenhatten, sowie der Ennnch, sein Schandbnbe Carus und alle Ver-wandten, welche zn der Verkündigung der Pharisäer sich zustimmendverhalten hatten, mußten es mit ihrem Leben büßen *). Gegen Pheroras'Frau hätte er gern ebenfalls den Todesstreich geführt; aber er warvon einer unbegreiflichen Schwäche gegen seinen Bruder und konnteihn nicht einmal zwingen, sich von ihr zu trennen. Nur in bezugauf den Hauptschuldigen, seinen Sohn Antipater, verharrte er in Ver-blendung, verbot ihm jedenfalls den Umgang mit Pheroras und den„Weibern" und Verbannte ihn in das Gebiet, das er ihm unter demNamen eines Vierfürstentums Peräa (Tetrarchie) von Augustus ver-schafft hatte. — Um sicher zu sein und dem Hasse des Volkes zu ent-gehen, veranlaßte Antipater, daß ihn der Vater nach Rom sandte, umAugustus' Bestätigung für seine Nachfolge zu erwirken. Bon Romaus zettelte er neue Ränke gegen seine noch übrigen Brüder an. End-lich aber kam sein teuflisches Spiel an den Tag. Pheroras, Herodes'letzter Bruder, war unerwartet gestorben (5), und da man seiner,gegen Herodes' Willen geheirateten Frau seinen Tod zur Last legte,wurde eine Untersuchung gegen diese eingeleitet. Die Untersuchungbrachte ein anderes Geheimnis aus Licht, als man erwartet hatte.Die Frau gestand, daß Pheroras und Antipater beschlossen hätten,den König zn vergiften. Das Gift sei schon bereit gewesen, aber,gerührt von den Besuchen, die Herodes seinem Bruder während seinerKrankheit gemacht, habe Pheroras befohlen, es zn verschütten; denRest zeigte die Frau zur Bestätigung ihrer Aussage vor. VernommeneZeugen und noch andere Umstände machten Antipaters Plan, seinenVater zu vergiften, sonnenklar. Diese Offenbarung war ein harterSchlag für Herodes. Also gerade derjenige Sohn, den er aus derNiedrigkeit erhoben und zum König bestimmt hatte, um dessenwillen erdie Söhne der noch immer nicht vergessenen Mariamne hatte hiurichtenlassen, war sein Todfeind! Die Aufregung seines Gemütes war grenzenlos,und doch mußte er sich verstellen und Liebe für Antipater heucheln, nmihn zu bewegen, nach Jerusalem zurückzukehren. Sobald Antipater inJerusalem eingetroffeu war, überhäufte er ihn mit Vorwürfen, stellteihn vor ein Tribunal, dessen Vorsitz der römische Statthalter Quin-tilius Barns führte, und klagte ihn des veranlaßten Brudermordesund versuchten Vatermordes an. Da das Ungeheuer seine Unschuldbeteuerte, trat Herodes' Freund Nikolaos von Damaskus als unerbilt-
i) Josephus Altert. XVII, 2, 2.