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Geschichte der Juden.
sobald die Nachricht von seinem Tode eingelanfen sein würde. Nochehe er sich zur Reise anschickte, war er von den Umständen gezwungen,einen Personenwechsel im Synhedrion zuzulassen, den er sonst wohlschwerlich zugegeben haben würde. Durch diesen eigentümlichen Wechsel-fall wurde ein bis dahin unbekannter Babylonier, Hillel, Syuhe-drialoberhaupt. Er gab dem Judentum eine Richtung, die in tausend-facher Verzweigung und Verkettung bis ans den heutigen Tag nach-wirkt. Auf seine haßerfüllte Zeit wirkte Hillel mit seinem sanftmütigen,friedfertigen Wesen wie das Öl auf die sturmbewegten, aufgeregtenMeereswogen.
Hillel (geb. um 75 v., st. um 5 n.) führte den Stammbaumseines Geschlechtes mütterlicherseits bis auf David zurück'), das auchnach dem babylonischen Exil in Babylonien verblieben war. Obwohlvon hoher Herkunft, soll er in dürftigen Verhältnissen gelebt und vonseinem reichen Bruder Schebnah unterstützt worden sein 2). Wahr-scheinlich mit Hyrkan aus Babylonien nach Jerusalem eingewandert(36), wurde er einer der eifrigsten Zuhörer der Synhedristen Schemajaund Abtalion, deren Überlieferung er mit gewissenhafter Wörtlichkeitmitznteilen pflegte^). Dabei soll er mit drückender Armut zu kämpfengehabt und von dem Tropa'icon (viotoriatus, halber Denar), das er täg-lich verdiente, die Hälfte für den Unterhalt seines Hauses verwendet,die andere Hälfte dem Türhüter des Lehrhauses gegeben haben, umsich Eingang zu verschaffen. Eines Tages, als er nur wenig verdientund den Türhüter nicht befriedigen konnte, sei Hillel, so wird erzählt,im Winter auf das Platte Dach gestiegen, um auf den Vortrag derSynhedristen zu lauschen. In das Zuhören ganz vertieft, habe ernicht bemerkt, daß der fallende Schnee ihn nach und nach ganz ver-graben habe, bis er vor Kälte starr und fast leblos geworden sei.Tags darauf an einem Sabbat habe man ihn in diesem Zustandeunter einer dichten Schneedecke gefunden und mit vieler Mühe zumLeben wieder erweckt Z. Diese sagenhaften Züge wollen Hillels Lern-eifer hervorheben. Seine Ausbildung erhielt er im Lehrhause desSchemaja und Abtalion, von denen er die überlieferten mündlichenGesetze überkommen hat"). Hillels hervorstechender Charakter war jeneherzgewinnende Taubensanftmut, die dem aufwallenden Zorne nichteinen Augenblick die Herrschaft über das Gemüt einräumt, jene tief-innige Menschenliebe, die aus der eigenen Demut und der günstigen
') llsrns. llaauit IV, p. 68 a u, a. O.
2) 8ota 21a.
°) Lclifot 1, 3. -st .7oma 35 b.
5) b'ssaebim 66 a, ssr. Lss. 33 a. Vergl. Note 16 und 17.