196
Geschichte der Juden.
Herodes, oder wie ihn das Volk nannte, der idumäische Sklave,war also am Ziele seiner hochfliegenden Wünsche; sein Thron ruhtezwar ans Trümmern und Leichen, aber er fühlte in sich die Kraft,ihn auf diesem Untergründe zn behaupten, auch wenn es sein mußte,ihn mit einem breiten Blntstrom zn umgeben. Der bittere Haß desjndäischen Volkes, dem er sich ohne das geringste Verdienst, ohne Rechtstitclals gebietender Herrscher aufgezwungen hatte, war ihm nichts gegenRoms Zuneigung und Antonius' freundliches Lächeln, das Legionenbedeutete, und diese unschätzbaren Güter ersetzten ihm, was ihn: seinejndäischen Untertanen versagten. Auch dänchte es ihm nicht schwer,sich die Liebe des Volkes zu ertrotzen, wie er sich das Königtum er-trotzt hatte. Den Gang seiner Politik erfaßte er mit klarem Blicke;er war ihm gewissermaßen von den Umständen vorgezeichnet: sich ganzhingebend an die Machthaber Roms anzuschließen, um an ihnen eine kräftigeStütze gegen den Volksnnwillen zu haben, diesen Unwillen wiederumdurch scheinbare, unschädliche Zugeständnisse allmählich zu bändigen,oder ihn durch unerbittliche Strenge unwirksam zu machen. DiesePolitik verfolgte er vom ersten Augenblick seines Sieges an, seineganze viernnddreißigjährige Regierungszeit hindurch bis zu seinemletzten Atemzuge, kalt und herzlos wie das Schicksal, mit erschreckenderKonsequenz.- Selbst in der ersten Verwirrung, bei der Eroberung desTempelberges, verlor er seine Kaltblütigkeit nicht, und befahl seinemTrabanten Kostobar, gleich ihm von idumäischer Herkunft, die Aus-gänge ans Jerusalem mit Wachen zu umstellen und alle Flüchtlingeeinzufangen. Haufenweise wurden Antigonos' Anhänger hingeschlachtet,darunter fünfnndvierzig ans den angesehensten Geschlechtern*). Dabeivergaß Herodes seinen alten Groll nicht; die Synhedristen, welchezwölf Jahre vorher, von Schemajas mannhafter Rede aufgerüttelt,entschlossen waren, ihn des Mordes wegen zu verurteilen so. S. 180),ließ er sämtlich hinrichtcn, mit Ausnahme der beiden Häupter Scheinajaund Abtalion, weil sie sich als Gegner des Antigonos erwiesen hatten-).Auch die Bene-Baba entgingen für den Augenblick seinem Rache-schwerte. Kostobar selbst hatte sie in Schutz genommen, weil er, ehr-geizig wie sein Herr, diesen einst zu entthronen, und sich durch denEinfluß derer, die ihm das Leben zn danken haben würden, einenAnhang im Volke zn gewinnen dachte^). Einen Gesetzeslehrer, Babaden Buta, der vielleicht demselben Geschlechte angehört hat, ließ
1 Josephus Altert. XV, 1, 2; vgl. 7, 10.-) Das. XIV, 9, 4; XV, I, 1.st Das. XV, 7, 10.