Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
Entstehung
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 

148

Geschichte der Juden.

oder den damaligen Machthabern. Ihre nächste Hoffnung war indesauf Ptolemais gerichtet, das die Bewohner dem gegen sie heran-rückenden Tigranes auf Selenes Rat verschlossen. Er mußte eineBelagerung gegen diese wichtige Hafenstadt eröffnenZ. Die Nähe desmächtigen Armenierkönigs erschreckte mit Recht die Königin Alexandra,und sie versuchte, durch Geschenke und freundliche Worte einem Zu-sammenstoß mit demselben zuvorzukommen. Tigranes nahm denjudäischen Gesandten und die Geschenke freundlich auf, hätte sich aberdoch schwerlich von Eingriffen in Judäa ferngehalten, wenn ihn nichtdie Gegnerschaft der Römer gezwungen hätte, die Belagerung vonAkko aufzuheben und für die Sicherheit des eignen Landes Sorge zutragen. Der römische Feldherr Lucnllus war nämlich indessen in seinLand eingefallen (69) ^). So war Judäa zwar für den Augenblickvon der drohenden Nähe eines mächtigen Eroberers befreit. Baldaber stellten sich dafür andere Gefahren und Nnglücksfälle ein, die esbis ins innerste Mark erschütterten.

Alexandra war nämlich hoffnungslos erkrankt, und diese Krank-heit war die Veranlassung zu den traurigsten Verwickelungen. Derleidenschaftliche und ehrgeizige Aristobul verließ sofort in der Vor-aussicht, daß sein schwacher Bruder Hyrkan zum Nachfolger seinerMutter bestimmt sei, heimlich die Hauptstadt, kam nach der galiläischenFestung Gab ata, in der Nähe von Sepphoris, auf deren Befehls-haber, den Sadduzäer Galaistes, er zählen konnte, und ließ sie sichübergeben. In fünfzehn Tagen waren einundzwanzig ähnliche Festungenin seiner Gewalt, ihre sadduzäischen Gouverneure hatten sie ihm sämt-lich übergeben 2). Für die Schätze, die er daselbst gesunden, warber Hilfstruppen von den kleinen syrischen und transjordanischen Fürstenund den räuberischen Trachoniten an und war dadurch in den Standgesetzt, eine nicht unbedeutende Macht aufzustellen Vergebens batenHyrkan nnd die angesehensten Ratsmitglieder, wozu wohl auch Simonden Schetach gehörte, die Königin, etwas Entscheidendes zu tun, umdie schwebende Gefahr eines Bürgerkrieges abzuwenden; sie verwiessie auf das Heer, die Schätze nnd die treugebliebenen Festungen, undüberließ es ihnen nach eigenem Gutdünken für das Heil des Staateszu sorgen. Sie selbst beschäftigte sich nur noch mit ihrer letztenStunde. Bald darauf starb sie (69) nnd hinterließ Land und Volk

st Altert, das. 16, 4. Vergl. Llinton ka8ti bsllsuiei III, 340 fg.

2) Josephus das.

o) Das. 16, 5. Statt "4/«hat eine andere L.-A. /'«jaö«, was wohlnrwaz ist, 3 röm. Mill. von Sepphoris entfernt.

-st Das.