Hyrkans Abfall von dem Pharisäertum. 115
dächtigniig seiner Würdigkeit znm Hohenpriestertum das Werk der ganzenPartei oder nur die Schmährede eines einzelnen gewesen sei. Er ver-langte daher von den Häuptern der Pharisäer, den Verleumder nachder Strenge des Gesetzes zu bestrafen, und erwartete, daß das Straf-maß im Verhältnis zu seiner hohen Stellung ausfallen werde. Aberdas Pharisäertum hatte kein Gesetz für Majestätsbeleidigung. Diepharisäischen Richter erkannten dem Beleidiger nur die gesetzliche Strafevon neununddreißig Hieben zu. Der Sadduzäerführer Jonathan ver-fehlte nicht, diesen Umstand auszubeuten und den Haß wider die Gegen-partei in Hyrkans Brust zu schüren. Er ließ ihn in dieser Milde desGerichtshofes eine tiefe Abneigung der Pharisäer gegen das fürstlicheAnsehen erblicken und brachte ihn dahin, sich von ihnen loszusagen undden Sadduzäern anzuschließen. Es ist wohl übertrieben, wenn eineQuelle erzählt, Hyrkan habe verordnet, die pharisäischen Bestimmungenzu übertreten und habe die pharisäisch Gesinnten verfolgt. So weitkonnte er nicht gehen, ohne den Zorn des ganzen Volkes gegen sichzu reizen und einen Aufstand heraufzubeschwören. Richtiger ist es,wie eine andere Quelle angibt, daß Hyrkan die Pharisäer ans denhohen Stellen verdrängt hat. Die Tempelämter, der hohe Rat unddie Gerichtshöfe wurden mit saddnzäisch Gesinnten besetzt. Aber dieserStaatsstreich hatte die traurigsten Folgen. Denn damit legte er demVolke nicht bloß den Gewissenszwang auf, die Sadduzäer als die Ver-treter und Ausleger der Gesetze anzuerkennen, sondern er hob auch dieinnere Freiheit und Selbständigkeit des hohen Rates auf und ver-wandelte die ans freier Wahl hervorgegangene Herrschaft der Hasmo-näer in Despotismus. Der hohe Rat, gewissermaßen die Volks- undGesetzesvertretnng, die berufen war, das Gleichgewicht zu hüten, wurdeauf eine lange Zeit das Werkzeug der Fürsten, und anstatt der Gesetzeherrschte die Willkür. Kein Wunder, wenn infolge dieser Vorgängesich in die Gemüter der Pharisäer und des hinter ihnen stehendenVolkes ein tiefer Haß gegen das hasmonäische Haus eingewurzelt hat,welcher den Bürgerkrieg und die Schwächung der Nation im Schoßetrug. Ein einziger Akt hatte genügt, um die glanzvollen Tage derHasmonäer zu Grabe zu tragen. Mit unerbittlicher Konsequenz tratendie unheilvollen Folgen desselben ein, und die Selbständigkeit derjndäischen Nation fing damit an, ihre rückgängige Bewegung zu mache».Hyrkan lebte wohl nicht lange nach diesem Vorfälle. Er starb im ein-unddreißigsten Jahre seiner Regierung in seinem sechzigsten Lebens-
st In jüd. Kr. gibt ihm Josephus 33 Jahre. Diese Zahl berichtigte erselbst in den Altert., in denen er ihn im 3l. Jahre sterben läßt (XIII, 10, 7):«lrkMK »l x»t. Sollte er sich bei der Aufzählung der