Die assidäischen Essäer.
9l
nicht wenige Assidäer, welche in trüber Lebensanschauung nicht bloßzeitweise, sondern fürs ganze Leben Nasiräer zu sein bestrebt warenOlam) und überhaupt den höchsten Grad levitischer Reinheitbeobachteten, wie es für den Tempelknltus vorgeschriebe» war. Siewollten aber gerade durch äußerliche Beobachtung der levitischen Vor-schriften eine innere Heiligkeit und Weihe erlangen, die Leidenschaftenabtöten und ein geweihtes Leben führen. Die levitischen Reiuheits-bestiminungen waren aber durch Entlehnung aus dem persischen Kreise Zund dessen Sitten zu einer solchen Höhe angewachsen, daß jede Berührungmit Personen und Gegenständen die Weihe hätte unterbrechen müssen,die erst durch vorschriftsmäßiges Baden, zuweilen auch durch Opferwieder zu erlangen war. Lebenslängliche Nasiräer oder, was dasselbeist, Essäer waren also dahin gebracht, jeden Umgang mit Personen vonminder strenger Lebensweise zu meiden, da deren Nähe sie verunreinigenkonnte. Solche Rücksichten zwangen sie, nur mit Gleichgesinnten zuverkehren und sich zu vereinigen, um keine Trübung ihres geweihte»Zustandes zu erfahren; sie waren auf diese Weise genötigt, sichzu einem Orden zusammenzutun, dessen Regel zunächst auf gewissen-hafter Beobachtung der allerstrengsten Reinheitspflege beruhte. Nurvon Gleichgesinnten konnten sie ihre Speisen bereiten lassen, Kleider,Werkzeuge und andere Gegenstände kaufen, von denen sie überzeugtwaren, daß bei deren Anfertigung die Reinheitsgesetze beobachtet wordenwaren. Sie waren daher aufeinander angewiesen und mochten es fürratsam erachten, ihre Mahlzeiten gemeinsam zu halten, um jeder Beihilfeminder Strenger entbehren zu können. Dabei mochte ihnen das Passah-mahl als Ideal vorschweben, welches nur in geschlossenen Kreisen(Olmdnrn, genossen werden durfte, wobei also eine gewisse
Gemeinschaftlichkeit der dabei beteiligten Mitglieder zur Pflicht gemachtwar. Mit Frauen zusammen zu leben war den Essäern fast unmöglich,um nicht durch deren auch nur austreifende Berührung jeden Augen-blick der levitischen Verunreinigung ansgesetzt zu sein. So gelaugtendie Essäer, von Konsequenz zu Konsequenz fortschreitend, bis zur Ver-achtung oder wenigstens Vermeidung des Ehestandes. Wie sollten siesich gar erst in den kriegerischen Zeitläuften inmitten der Gesellschaftmit ihrer gesteigerten Peinlichkeit behaupten? Nicht bloß der heidnischeFeind, sondern auch der heimkehreude judäische Sieger, der sich in derSchlacht an Leichnamen verunreinigt hatte, konnte ihre ganze Vorsichtzuschanden machen. Diese Verlegenheit mag den Essäern den Gedankeneiugegeben haben, sich in eine einsame Gegend zurückzuzichen, um un-
Vergl. Bd. II k, 202.