Die Sadduzäer.
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Falle. Nach der Ansicht der Sadduzäer ist ferner der Herr so wie fürseine Tiere, so auch für seine Sklaven wegen verübter Schäden ver-antwortlich. Sie nahmen auch ein eigenes Erbrecht an, nach welchembeim Mangel an männlichen Erben die Töchter des Erblassers mitden Enkelinnen desselben von dem früher verstorbenen Sohne dieErbschaft zu gleichen Teilen antreten sollten. — Unter den rituellenStreitpunkten zwischen Sadduzäern und Pharisäern waren mehrere,um welche mit heftiger Leidenschaftlichkeit gekämpft wurde; so umden Tag des Wochenfestes, welcher nach den Sadduzäern, dem Wortlautentsprechend, stets auf einen Sonntag fallen müsse, fünfzig Tage vondem Sabbat nach dem Passahseste gezählt; ferner um den Wassergnßans den Altar an den sieben Tagen des Hüttenfestes und die Umzügemit Weidenzweigen um den Altar (Hosianna), welche die Pharisäergeübt wissen wollten und die Sadduzäer verwarfen. Ebenso leugnetendie letzteren, daß die täglichen Nationalopfer aus einer Tempelkassebestritten werden müßten. Sie lehrten vielmehr, daß es dem Beliebeneinzelner überlassen bleibe, die erforderlichen Opfer zu liefern. DieArt, wie das Räucherwerk am Bersöhnungstage angezündet werden sollob schon vor dem Eintreten des Hohenpriesters ins Allerheiligste odernachher, war ebenfalls Gegenstand eines erbitterten Streites. Indiesen und anderen Punkten nahmen die Sadduzäer stets den trockenenBuchstaben des Gesetzes in Anspruch, und die konsequente Durchführungdieser Ansicht brachte sie auch dahin, zuweilen eine größere religiösePeinlichkeit geltend zu machen, als die wegen ihrer Strenge verschrieenenPharisäer. Auch gaben sie wenig ans die peinliche Vermeidung derBerührung mit levitisch unreinen Personen oder Gegenständen undmachten sich über ihre Gegner, wenn sie bemerkten, daß diese dieTempelgefäße wegen etwaiger Berührung einer Reinigung unterwarfen,mit den Worten lustig: „Es fehlt nicht viel, so werden die Pharisäernoch den Sonnenball reinigen wollen."
Trotz der Erleichterung, welche die sadduzäische Ansicht von derReligion gewährte, war diese Partei im Volke wenig beliebt. Siehatte die Richtung der Zeit gegen sich, die einer strengen Religiositätdurchaus günstig war. Das Volk liebte es nicht, daß man an derin ihm lebenden Überzeugung mäkele und feilsche, und dasjenige, wases mit seinem Herzblute gerettet hatte, blieb ihm teuer, wenn manihm auch den zeitlichen Ursprung desselben Nachweisen konnte. DieSchriftkunde war überhaupt noch nicht so sehr ins Bewußtsein desVolkes eingedrungen, daß es nach diesem Maßstabe sein religiösesVerhalten hätte regeln können. Es genügte ihm, dasjenige zu üben,was es von Geschlecht zu Geschlecht hatte üben gesehen, oder was von