Der Onias-Tempel.
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Einwirkung auf den König Philometor dem judäischen Staate geleistet,in den Gemütern soweit Wurzel gefaßt, daß es nicht mehr an derZeit war, ihn zu verdammen. Aber einer gewissen Unbehaglichkeitkonnten sich die Frommen dabei doch nicht erwehren, daß das helio-politanische Heiligtum ans einer Verletzung des Knltnsgesetzes beruhe.Und ans diesen widersprechenden Empfindungen gegen den Onias-Tempel, der Achtung vor seinem, ans der Zeitlage hervorgegangenenUrsprünge und dem Mißbehagen gegen sein ungesetzliches Bestehen,entsprang das Verhalten gegen denselben in der Folgezeit. Die Gesetzein betreff desselben tragen diesen schwankenden, zwischen Anerkennungund Verdammung schwebenden Charakter. Ein allerdings späteres Gesetzbestimmte nämlich, daß Priester des Onias-Tempels zwar nicht imjernsalemischen fungieren dürften, daß sie aber dadurch ihrer Priester-würde nicht verlustig würden, sondern wie die ehemaligen Hohenpriesterihren Anteil an den Priesterrechten behielten Z.
An eine solche überraschende Tatsache, wie der Bestand einesjudäischen Tempels in Ägypten, brachte die geschäftige Sage später,als die wahre Veranlassung in Vergessenheit geraten war, je nach derVerschiedenheit der Beurteilung, ihre verschönernden oder entstellendenZüge an. In Alexandrien erzählte man sich: der König Philometorund die Königin Kleopatra hätten auf das Gesuch des Onias, einenTempel bei Heliopolis zu erbauen, ein eigenes Handschreiben an ihnerlassen, worin sie ihre Verwunderung zu erkennen gegeben hätten, obes Gott wohlgefällig sein könne, wenn ihm ein Heiligtum auf einemPlatze erbant würde, der ehemals dem Tierkultus geweiht war, uudsie hätten sich erst dann beruhigt, als sie diese Versündigung von sichabgelehnt und sie auf Onias geschoben, der sich hierbei auf die jesaianischeProphezeiung berufen habe. In Judäa waren zwei verschiedene Sagenüber die Veranlassung und Bedeutung des Onias-Tempels in Umlauf,eine anerkennende und eine verdammende. Man brachte diese Tatsachein Verbindung mit dem weltlichen Treiben der Hellenisten und namentlichjenes Onias, der unter dem Namen Menelaos so viele Schmach anssein Haupt geladen hatte, und den man auch für einen NachkommenSimons des Gerechten hielt. Die nachsichtige Beurteilung stellte denägyptischen Onias in ein günstiges Licht; sie machte ihn und seinenBruder Simon zu Söhuen Simous des Gerechten, der seinem jüngerenSohne gleichen Namens die Hohepriesterwürde in Rücksicht auf seine
r) Usnaebot 109 a; tpoeetta das. XIII, 12—14. Der letzte Passus
stammt jedenfalls aus der Zeit vor dem Tempeluntergaug; er hatte eine prak-tische Bedeutung. Die beiden ersten dagegen scheinen lediglich theoretisch auf-gestellt zu sein.
Graetz, Geschichte der Juden. III.
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