Judäcr in Ägypten und Alexandrien. 25
dahin gesandten Kolonie*). In Ägypten und Kyrene genossen dieJndäer dieselben Rechte wie die griechischen Bewohner, weil beidefast zn gleicher Zeit sich daselbst angesiedelt hatten, und waren sogarvor den ägyptischen Urbewohnern bevorzugt, welche die Herrscher alsBesiegte behandelten. Auf diese Gleichstellung U-roTiol-re-«, -uwozn'a,l-ror-zll«) waren die Judäer so stolz, daß sie dieselbe wie ihren Aug-apfel wahrten. Eine tätige Rolle fing die judäische BevölkerungÄgyptens erst zu der Zeit zu spielen an, als die Reibungen zwischendem ägyptischen und syrischen Hofe häufiger und erbitterter wurdenund beiden daran gelegen war, da es sich auch um den Besitz Judäashandelte, die Judäer in ihre Interessen zu ziehen. Die ägyptischenJudäer waren stets treue Anhänger des ptolemäischen Königshauses undunterstützten es, soviel sie konnten. Bereitwillig hatte daher der sechstePtolemäer, Philometor, die Flüchtlinge aus Judäa ausgenommen,welche in großen Scharen vor der syrischen Zwingherrschaft unterAntiochos Epiphanes ihr Vaterland verlassen hatten. Unter denFlüchtlingen befanden sich der Sohn des Hohenpriesters Onias' III.und andere Personen von angesehenen Geschlechtern, welche von demägyptischen Herrscher bevorzugt wurden und später Gelegenheit fandensich auszuzeichnen. Die gesunde Politik des ägyptischen Hofes gebot,die judäischen Unzufriedenen für sich einzunehmen, um mit deren Hilfedas von Ägypten unter Antiochos dem Großen losgerissene Palästinawieder zn gewinnen. Freilich konnte man in Ägypten so wenig wiein Syrien ahnen, daß der Kampf, den die judäischen Patrioten gegendie syrischen Heere eingegangen, einen so unerwarteten Verlauf nehmenund eine gewisse Unabhängigkeit Judäas herbeiführen würde.
Am meisten konzentriert waren die Judäer in Alexandrien, welches,wie es nächst Rom damals die zweite Stadt für Handel und politischeBedeutung, so nächst Athen die zweite für Künste und Wissenschaftenwar. Unter den fünf Quartieren Alexandriens, welche mit denfünf ersten Buchstaben des griechischen Alphabets bezeichnet waren,nahmen die Juden zivei beinahe ein; namentlich war das QuartierDelta, das an der Meeresküste lag, ganz allein von Judäern be-völkert^). War diese ihnen eingeräumte Lage an der Küste eine be-sondere Begünstigung, wie es den Anschein hat, und wie sich dieJudäer Alexandriens rühmten, oder sollte sie für dieselben eine Zurück-setzung bedeuten, um sie gewissermaßen an den Strand zu werfen, wie
*) Strabo bei Josephus Altert. XIV, 7, 2. Josephus gegen Agio» II, 4.
-) Josephus, jüd. Kr. II, 18, 7. Altert. XII, 1, I. s. B. Ilb, S. 231.
0) Philo gegen Flaccus II, 8., N. 52S.