Jonathan und Alexander Balas. 16
Die Verstimmung des syrischen Feldhcrrn hielt Jonathan fürUnterhandlungen günstig und erlangte in der Tat von ihm einenFriedensschluß. Die Bedingungen desselben waren, daß Jonathannnbelästigt und unbehindert im Lande, nur nicht in Jerusalem, bleibendurfte und zum Unterpfande seiner Versprechungen, die nicht mehr be-kannt sind, Geiseln stellen sollte. Die Gefangenen wurden gegenseitigausgewechselt. Bakchides zog ab und ließ die Hellenisten, die Ver-bündeten Syriens, welche um der Syrer willen Vaterland, Sitte undReligion verraten, ihren eigenen und des Landes Wohlstand gefährdethatten, gänzlich im Stich. Jonathan wohnte in dem befestigtenMichmas, wo auch einst Saul seinen Aufenthalt batte, er galtstillschweigend als das Haupt des jndäischen Volkes und verfuhr gegendie Feinde desselben mit schonungsloser Strenges. Dieser Zustand,„wo das Schwert in Israel anfgehört hatte"), dauerte nahe an fünfJahre (156 — 152). Wohin dieser unentschiedene Zustand geführthätte, läßt sich aus den Umständen kaum schließen; gewiß ist es aber,daß ohne Hinzutreten einer außergewöhnlichen Gunst des Zufalls derTraum der Hasmonäer sich schwerlich verwirklicht hätte. EineWendung im syrischen Reiche führte eine günstige Rückwirkung fürJudäa herbei und förderte die Machtvergrößerung Jonathans und derNation.
Ein unbekannter Jüngling aus Smyrna, mit Namen AlexanderBalas, veranlaßte diesen Umschwung in den Verhältnissen der Jndäer.Da dieser Alexander eine auffallende Ähnlichkeit mit dem syrischenKönig Antiochos Enpator hatte, benutzte ihn Attalus II., König vonPergamns, ihn als Gegenkönig des ihm verhaßten Demetrios anf-znstellen"). Demetrios hatte sich in seiner elfjährigen Regierung beiVolk und Heer durch Ausschweifung und Stolz so sehr verhaßt ge-macht und seinen Nachbarkönigen so viel Grund zur Unzufriedenheitgegeben, daß er weder im eigenen Lande noch im Auslande Freundehatte. So wie Alexander, von Attalus mit Geld und Truppen aufskräftigste unterstützt, bei Ptolemais landete, ergab sich ihm die Besatzung.Der römische Senat, gierig jede Gelegenheit wahrnehmend, welche Ver-wirrung im syrischen, wie in andern, wenn auch Verbündeten Reichenhervorzubringen geeignet war, gab Alexander die Anerkennung alsThronerben und begünstigte dessen Unternehmen. Diese Vorgängerüttelten Demetrios ans seiner Trägheit auf und bewogen ihn, sichnach Verbündeten umznsehen. Vor allem trachtete er Jonathan für
1 I. Makkab., das. 9, 70—72. -) Das. 73.
") Diodor von Sizilien in C. Müiler's kragmeuta. Instorieo. g'raeee.grasf, II, g. XII, N. 14.