Jeremia in Rama.
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aber, sich zu Gedalja nach Mizpah zu begeben st. Jeremia, der mitRecht beklagte, ausersehen zu sein, das Elend in seiner ganzen Füllezu sehen, mußte auch die Jammerscenen mit ansehen, wie die Gefangenenvon Rama aus gefesselt nach Babylonien abgeführt wurden. Herz-zerreißend waren die Wehklagen der Unglücklichen, Männer, Weiberund Kinder, die von ihrem Geburtslande weggeschleppt wurden. Jeremiagab ihnen einen Trost mit. „Eine Stimme der Klage und bitterlichenWeinens Wird in Rama vernommen, Rahel weint um ihre Kinder, siemag sich nicht trösten lassen." So spricht der Herr: „„Laß deine
Stimme vom Weinen und die Augen von Thränen, denn es giebt
einen Lohn für dein Werk, sie werden aus des Feindes Lande zurück-kehren, es giebt eine Hoffnung für deine Nachkommen, sie werden inihr Gebiet zuruckkehrenst"".
Außerordentlich schwer wurde Jeremia die Wahl, sein Herz zogihn zu seinen Leidensgenossen, zumal wenig Aussicht für seine Thätig-keit im Lande war. Ihm wurde es schon durch die Prophetie kund,
daß die nach Babylonien Verbannten zur Verjüngung berufen seien.
Er verglich die Verbannten mit guten wohlschmeckenden Frühfeigen, die»u Lande Bleibenden dagegen mit schlechten vom Sturm abgeschütteltenFeigen st. Er hatte wied-rholentlich dem Könige Zedekia gerathen, sichdem Sieger zu ergeben und nach Babel auszuwandern, weil die imLande Bleibenden dem Fluche und dem Untergange geweiht sind.Folgerichtig hätte auch er nach Babylonien auswaudern müssen. Alleinandererseits wurde es Jeremia schwer, das Geburtsland aufzugeben.Schwer siel es ihm aber auch, sich Gedalja anznschließen; er fürchtetemit Recht, daß er sich dadurch bei dem Ueberreste der Flüchtlinge im
Lande von neuem dem Verdachte aussetzen würde, daß er ein Partei-
gänger des Siegers sei, welcher das Volk vernichtet, die Hauptstadtund den Tempel zerstört und der Schöpfung David's und Salomo'sden Untergang gebracht hat. Die zur Verbannung verurtheilten Leidens-genossen selbst scheinen es ihm verübelt zu haben, daß er sie verlassenwollte, da sie durch ihn, der bei Nebukadnezar in Gnaden stand, eineErleichterung ihrer Leiden hoffen mochten. Jeremia rang, von diesenverschiedenen Gefühlen bewegt, mit sich selbst und brach in Klagenaus: „Wehe mir, meine Mutter, daß du mich geboren, einen Mann
des Streites und des Haders für alle. Ich habe nicht ausgeliehen
und nicht geborgt, und doch flucht mir Jedermann." . Da wurde ihm
die prophetische Offenbarung, daß er im Lande bleiben, sich Gedalja
st Jeremia 40, 1—5.
st Jer. 31, 14 fg. Vgl. Monatsschr. das.
st Das. 24, 2 fg. 29, 17 fg.
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