Der winzige Ueberrest im Lande. 367
Der Rest der Krieger, welcher mit Zedekia in der Nacht durchunterirdische Gänge aus der eroberten Hauptstadt entflohen war, hattesich bei der Annäherung der chaldäischen Verfolger zerstreut. EineHandvoll desselben war unter Anführung eines Fürsten aus königlichemGeblüte, Namens Jsmasl, Sohn Nethanja's, über den Jordanentkommen, hatte bei dem ammonitischen Könige Baalis Schutz ge-funden und sich in Ammonitis und dem benachbarten Moab nieder-gelassen^). Die Uebrigen hatten es vorgezogen, nach Aegypren zuentfliehen, wohin schon früher mehrere Familien ausgewandert waren ^),weil sie dort unter dem mit ihrem Lande Verbündeten Hophra mehrSicherheit zu finden hofften. Aber um dahin zu gelangen, mußtensie das Gebiet von Jdumäa berühren, und hier erwartete sie eingrimmiger, unversöhnlicher Feind. Die Jdumäer, des alten Hassesgedenkend und ungerührt von der brüderlichen Zuvorkommenheit Juda's,als hätten sie noch nicht genug an der Schadenfreude wegen der Zer-störung Jerusalems, die sie so eifrig betrieben, nicht genug an derBeute die sie gemacht hatten, trieben ihre Feindseligkeit soweit, daßsie an der Grenze ihres Landes Wache hielten, die flüchtigen Judäertödteten, oder sie, um den Chaldäern zu schmeicheln, ihnen überlieferten^).Nicht bloß Haß stimmte Edom zur Grausamkeit gegen die elendenFlüchtlinge, sondern auch politische Berechnung. Es speculirte aufden Besitz des ganzes Gebietes, welches so lange dem Volke Israelgehört hatte. Durch die blutige Verfolgung der Judäer glaubte esdiesen Besitz leichter erlangen zu können. Wenn kein Mann von ihnenübrig bliebe, so würde das Land herrenlos geworden sein, und Nebu-kadnezar, dem es so eifrig Vorschub geleistet hatte, würde nicht umhinkönnen, aus Dankbarkeit es ihm zu überlassen. Laut sprachen es dieJdumäer aus: „Die beiden Völker und die beiden Reiche werden unsgehören, wir werden sie in Besitz nehmen" ^). Haß und Schaden-freude an den Unglücklichen zeigten auch die Philister^), und selbst dieAmmoniter und Tyrier, welche doch mit Nebukadnezar im Kriegewaren und öffentlich den Judäern eine freundliche Miene zeigten,freuten sich heimlich über den Untergang Jerusalems^). Die Sidonierübten Feindseligkeit ganz offen gegen die flüchtigen Judäer^). Nur
u Jeremia 40, II. 14; 41, 1.
2) Das. 24, 8.
2) Obadja 1, 14. Ezechiel, 25, 12; 35, 5; vgl. Note 3.
-fl Ezechiel 35, 10; 36, 3—5.
°) Das. 25, 15 fg.
Das. 25. 3 fg.; 26, 2 fg.
') Das. 28, 24 fg.