Jeremia in Haft in Mattara.
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selbst wurde ängstlich über den Ausgang und sah zu spät ein, daß eseine Thorheit war, sich mit der babylonischen Großmacht messen zuwollen, ohne ein ganzes für Freiheit begeistertes Volk hinter sich zuhaben. Eine schwache Hoffnung setzte er noch auf den Propheten Jeremia.Heimlich ließ er ihn in ein inneres Gemach seines Palastes kommenund fragte ihn, ob er eine Prophezeiung für den Ausgang geschauthabe. „Ja wohl", antwortete Jeremia, „habe ich eine solche, daß duin die Hand des Königs von Babel unfehlbar fallen wirst, wenn dudich nicht ihm unterwirfst". Gedemüthigt und ergeben hörte Zedekiadiese Worte an; er war gerecht genug, sie den Verkünder nicht entgeltenzu lassen. Er ließ ihn vielmehr auf seine Bitte nicht mehr in denabscheulichen Kerker des Listenführers Jonathan zurückbringen, sondernräumte ihm eine Wohnstätte in seinem eigenen Palaste ein, in dem HofeMattara, und ließ ihm täglich einen Laib Brod aus der königlichenBackanstalt liefern. Hier blieb Jeremia mehrere Monates. Er waraber da in freier Haft, durfte Besuche empfangen und sprechen; seintreuer Begleiter Baruch, Sohn Nerija's, war wieder in seiner Nähe 2).
Eines Tages kam sein Vetter Chanamel aus Anatoth zu ihmund bot ihm an, ein Familienfeld zu kaufen, da er der einzig Be-rechtigte sei, es zu erwerben. Von diesem Besuch und Angebot istihm früher durch den prophetischen Geist die Kunde zugekommen, mitder Weisung, den Kauf mit einer gewissen Feierlichkeit zu veranstalten.Demzufolge wog er vor den Augen der Anwesenden im Hofe Mattaradas Kaufgeld zu, schrieb nach Vorschrift zwei Kaufscheine, einen ver-siegelten und einen offenen, ließ Zeugen unterzeichnen und übergab l eideseinem Jünger Baruch, der sie zu dauernder Erhaltung in ein irdenesGefäß legen sollte. Er konnte sich aber dabei der Verwunderungnicht enthalten: Die Schanzen der Chaldäer rücken immer näher, Jeru-salem wird bald dem Feinde Preisgegeben und das Volk verbannt werden,und er sollte noch ein Feld an sich kaufen! Darauf wurde sein Seher-blick von der engen, düsteren Gegenwart in die ferne, schönere Zukunftentrückt. Allerdings geht Jerusalem wohlverdient wegen seiner Un-thaten der gewissen Zerstörung entgegen. Aber es wird eine Zeit
Jer. 37, 17 fg. Ueber die Dauer der Haft in Mattara vgl. o. S. 354Anmerk. 3. Im Kerker des Jonathan blieb er nur nehmen wir das
Höchste, einen Monat, an, denn länger hätte er es in diesem ungesunden Lochwohl nicht aushalten können. In Mattara blieb er, bis kein Brod mehr inder Stadt war (Jeremia 38, 8), das Brod hörte ganz auf im Monat Tammus(Kön. II 25, 2 u. Parallele). Folglich war Jeremia in Mattara etwa von Nißanbis Tammus, wahrscheinlich schon von Adar an, nach Jeremia 32, l fg.
2) Folgt aus Jeremia 32, 12.