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Geschichte der Juden.
König Jthobal II. ebenfalls Vasall Nebukadnezar's wurde. Die be-deutende chaldäische Unternehmung war aber eigentlich gegen Aegyptengerichtet. Zu dieser schwierigen und langwierigen Eroberung war dieUnterwerfung der Länder, welche zwischen Syrien und Aegypten lagen,Judäas, des Philisterlandes und Edoms, unerläßlich. So winzig sie auchim Verhältniß zu dem Weltreiche waren, so konnte doch ihre feindlicheHaltung Nebukadnezar Hindernisse in den Weg legen, dagegen ihreUnterwerfung ihm Vorschub leisten. So rückte das chaldäische Heerimmer weiter vor, um sich Aegyptens Grenzen zu nähern. Von Dan,der lieblichen Stadt am Fuße des Hermon, hörte man schon dasWiehern der Kriegsrosse, von dem Jauchzen der Helden erbebte dasganze Land*). An Jojakim erging wohl die Aufforderung des mächtigenEroberers, sich und sein Land zu unterwerfen oder der Zermalmunggewärtig zu sein. Von der anderen Seite ermuthigte Aegypten zufestem Widerstand, verhieß Hilfe und täuschte mit verheißenden Ver-sprechungen. Juda kam in dieselbe schwankende Lage, wie einst zurZeit Chiskija's, als Wahlplatz für den Kampf zweier Großmächtegegen einander zu dienen. Eine Entscheidung mußte getroffen werden;aber in Erwartung ägyptischer Hilfe oder eines Wunders schobenJojakim und seine Räthe sie von Tag zu Tag auf.
In der Angst wurde ein Fasttag für den neunten Monat (Winter 600)ausgerufen, das ganze Land aufgefordert in Jerusalem zu erscheinenund hier Gott anzuflehen, das drohende Unheil abzuwenden. Bei allergötzendienerischen Verkehrtheit setzte das Volk doch sein Vertrauen aufden Jhwh geweihten Tempel, daß dieser ihm Schutz auch gegen denmächtigsten Feind gewähren würde ^). Vermittelst zahlreicher Opferund Trauerzeichen, in Haargewänder gehüllt und das Haupt mit Aschebestreut, sollte die Gefahr beschworen werden. Das Volk war in dergrößten Aufregung und in Bangigkeit für seine Zukunft und strömtezum Tempelplatz, als wenn es da eine sichere Zuflucht finden sollte.Jeremia aber befahl seinem treuen Jünger Baruch, die prophetischeRede niederzuschreiben welche er mehrere Jahre vorher über dieunwiderstehliche Gewalt des eben aufgetauchteu Chaldäerreiches ge-halten, daß alle Völker rings um Juda und dieses selbst von ihmunterjocht werden würde, wie ihm früher bedeutet worden war. NachdemBaruch diese Verkündigung in eine Rolle eingetragen hatte, befahl ihmJeremia, den Inhalt derselben vor dem Tempel in Gegenwart desversammelten Volkes der Hauptstadt und des Landes öffentlich vor-
1) Jeremia 8, 16.
2) Jeremia 7, 4 sg.