Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
308
Einzelbild herunterladen
 

308

Geschichte der Juden.

Und labt sich voll an ihrem Blute!

Zieh' nach Gilead und hole dir Balsam,

Jungfrau Aegypten!

Vergeblich habe ich Heilmittel wachsen lassen,

Für dich giebt's keinen Verband.

Die Völker vernehmen deine Schmach,

Dein Wehklagen erfüllt die Erde,

Denn Streiter an Streiter strauchelt,

Zusammen fallen sie beide'").

Necho's Heer erlitt in der That bei Kharkhemisch am Euphrat (604eine niederschmetternde Niederlage. Der ägyptische Eroberer mußteseinen Plan, Babylonien zu erobern, aufgeben. Kaum konnte er seinebisherigen Eroberungen behaupten. Er hat wohl die besetzten Ländervom Euphrat bis zu den Grenzen Aegyptens wieder aufgegeben b).An dem geschlagenen Heere, welches nach Aegypten znrückkehrte, erkanntendie Judäer, daß Jeremia's Prophezeiung sich erfüllt hatte. Auch Judawurde wahrscheinlich durch die Niederlage bei Kharkhemisch für denAugenblick von der ägyptischen Oberherrschaft frei. Noch von einerandern Angst wurde das Volk und besonders die Großen befreit, vonder drohenden Aussicht auf den Untergang des Staatswesens. Jeremiahatte öfter eine düstere Zukunft für das lebende Geschlecht angedroht,wenn es von seinen Thorheiten und Lasterhaftigkeiten nicht lassenwerde. Wenn der König und die Hofleute sich auch nicht von diesenUnheilsverkündigungen bestimmen ließen, so fühlten sie sich doch voneiner geheimen Angst bedrückt. Nun war Aegypten, der nahe Feind,geschlagen und geschwächt, und Assyrien, welches über ein Jahrhundertlang Geißel und Joch für Juda gewesen, war aus der Reihe derVölker geschwunden. Die Nachbarvölker waren nicht mächtig genug,den Untergang Juda's herbeizuführen. Ein neuer, erobernder Großstaathatte sich noch nicht herausgebildet. Medien, Haupterbe der assyrischenReiches und dadurch Großmacht geworden, war von Juda zu weitentfernt, um in sein Geschick einzugreifen; Babylonien war nicht zufürchten, weil es mit sich zu thun hatte, sich zu stärken und zu orgauisiren.

r) Jeremia 46, 112. An der ganzen Haltung dieses Stücks erkennt man,daß es eine Prophezeiung ist. Es ist lächerlich, anzunehmen, daß der Prophetdiese Rede später überarbeitet oder gefeilt hat. Es war nicht Sache der Pro-pheten stenographisch ausgeschriebene Reden zu corrigiren und zu verschönern.

-) Vergl. über die Zeit Monatsschrift a. a. O. S. 289 fg. (Vgl. Schrader-Winckler, S. 1Ü6. 278. 321s.

Folgt wohl aus Königs II. 24, 7; Jeremia 49, 2327, was sich wohlauf die Niederlage Necho's und die voraussichtliche Besitznahme der Länderdurch Nebukadnezar bezieht.