252
Geschichte der Juden.
schuft? Sie wären zu den winzigen götzendienerischen Völkerschaftenherabgesunken, welche ohne Jnda's Geschichtsurknnden dem Gedächtnisseder Menschen unbekannt geblieben wären.
Glücklicherweise gab es bereits in Jerusalem wenigstens eine er-starkte Partei, welche die von der Hofpartei so verachtete und ver-höhnte Lehre von einem geistigen Gotte und von sittlich-keuschemWandel, und die alten Erinnerungen an die wunderbare Leitungdes Volkes durch tausendfache Widerwärtigkeiten hoch hielt, einenschroffen Gegensatz gegen die Vertreter des Götzenthums bildete undentschlossen war, ihre Ueberzeugung mit dem Blute zu besiegeln. Jene„Gottesschüler", welche der Prophet Jesaia wie seine Kinder belehrtund herangebildet hatte, jene Psalmisten, welche unter Chiskija Jubel-lieder über die Errettung des Volkes in schönen Weisen ertönen ließen,jene sanftmüthigen Dulder (Anawim), welche durch denselben König zuEhren erhoben worden waren, und ganz besonders die Propheten,welche Jesaia's goldene Beredtsamkeit zu glühender Begeisterung fürdas ewige Erbe Jhwh's erweckt hatte, sie bildeten eine, wenn auch derZahl und der Lebensstellung nach winzige, so doch durch ihre Festig-keit starke Partei. Man kann sie die Propheten- oder Anawiten-Partei nennen; sie selbst nannte sich „Gemeinde der Gerade-wandelnden" (806 Issedurim n'IlclakZ.
In dieser Gemeinde war die Ueberzeugung lebendig: daß dasGötzenthum aller Völker, auch der weisesten, eitel und nichtig, eineThorheit und Verblendung sei, daß Gott nicht mit den Mächtigen undStarken, sondern mit den Schwachen sei, daß er sich der Wittwen undWaisen annehme und auch den Fremdling liebe ^). Wenn in derfrüheren Zeit noch die dunkle Vorstellung vorhanden war, daß dieGötter der Völker, allerdings dem höchsten Gotte untergeordnet, docheine gewisse Bedeutung und Wesenhaftigkeit besäßen, so drang in dieserZeit die Ueberzeugung von der völligen Hohlheit und Nichtigkeit derGötter in diesem Kreise durch. Sobald diese Wahrheit, wenn auchnur in einer kleinen Gemeinde Wurzel geschlagen hatte, war ihr endlicherSieg gewiß.
An diesen Kreis traten durch die neue Wendung unter Wanasseschwere Prüfungen heran. Das Geringste war, daß diejenigen ausdemselben, welche Chiskija in Richter- und Staatsämter eingesetzthatte, von der Hofpartei aus ihrer Stellung verdrängt wurden, daßAhroniden aus der hohenpriesterlichen Familie Zadok, welche sich an
U S. Note 5.
2 ) Jeremia Kap. 10; Deuteron. 10, 17—18.