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Geschichte der Juden.
wenn die Mächtigen das freie Wort unterdrückten, scheuten es dieGottesmänner nicht, der Wahrheit die Ehre zu geben und mit Gefahrihres Lebens ihre warnende Stimme zu erheben. In der Heimathder prophetischen Beredtsamkeit konnte die Fabeldichtnng nicht gedeihen.Wenn es nöthig und ersprießlich schien, verblümt zn sprechen, so wurdeeine andere Form dafür gewählt. Nicht Thieren legten diese Weisenund Dichter warnende Winke in den Mund, sondern der Geschichte,dem Alterthum. Die Wahrheiten, welche das Geschlecht von heutebeherzigen sollte, wurden aus dem Munde der verehrten Vorfahre»oder der Weisen aus alter Zeit verkündet. Indessen bis zu Chiskija'sZeit war dieser Litteraturzweig, die dichterische Veranschaulichung derVergangenheit im Lichte der Gegenwart zur Beherzigung für dasjüngere Geschlecht, noch wenig angebaut. Die Wahrheit brauchte nochnicht ein erborgtes Gewand umzuhängen; sie durfte sich in ihrerNatürlichkeit und Einfachheit zeigen. Die Poesie fand daher nur indiesen drei Formen ihren Ausdruck: in der prophetischen Beredt-samkeit, in dem psalmistischen Erguß und in der Spruch-dichtung. Die höchste Blüthe desselben fällt, wie schon erwähnt, indie chiskijanische oder jesajanische Zeit.
Bis an sein Lebensende konnte Chiskija ruhig und ungestörtregieren. Sancherib's Niederlage war so gewaltig, daß er einen neuenFeldzug gegen Juda nicht unternehmen konnte. Es scheint, daß er inBabylonien harte Kämpfe zu bestehen hatte, als er es zur Vergrößerungseiner Macht wieder erobern wollte ff. In Juda waren selbstverständlichdie Augen stets auf Assyrien mit Spannung gerichtet, weil immer nochein Einfall von dort aus befürchtet wurde. Mit Freuden vernahmman daher die Nachricht, daß Sancherib, der so hochmüthige undlästerliche Worte gegen Jsrael's Gott und sein Volk ausgestoßen hatte,von seinen eigenen zwei Söhnen Ad rammelech und Nergal-S charezer im Tempel eines der assyrischen Götter ermordet wordenwar2). Chiskija erlebte wahrscheinlich noch den, die strafende HanvG ottes bekundenden Tod des assyrischen Großkönigs, vor dem ergezittert und sich gedemüthigt hatte. Die in Ninive ausgebrocheueZwietracht gab der Hoffnung Raum, daß von dort aus keine Eroberungs-pläne mehr ausgehen würden. Von Chiskija's Lebensende (696) istgar nichts bekannt. Er war der letzte König, dessen Leiche in derKö nigsgruft beigesetzt wurde. Das Volk, welches ihm mit Liebe
ff Berosus bei Eusebius.
ff Jesaia 37, 38. Vgl. Monatsschr. Jg. 1872, S. 537 fg.