Machterweiterung Juda's unter Chiskija.
233
war indessen nicht auf Krieg gerichtet. Sollte er doch das Vorbildeines Friedensfürsten sein! Es scheint, daß die benachbarten Völker-schaften in der That ihn als Schiedsrichter angerufen und Flüchtlingeund Verfolgte bei ihm Schutz gesucht haben. Als die Moabiter vonFeinden bedrängt wurden, forderten sie einander auf. sich nach Zionzu wenden und den für Gerechtigkeit eifrigen König um Schutz an-zuflehen.
„Sendet doch Geschenke, ihr Fürsten des Landes!
„Vom Felsen der Wüste zum Bergs der Tochter Zions!sSprechetfl „„Bringe Rath, übe Schiedsgericht,
„„Mache der Nacht gleich deinen Schatten am Hellen Mittag,„„Verbirg die Verbannten, verrathe die Flüchtigen nicht.„„Mögen in deiner Mitte Moab's Verbannte weilen,
„„Sei ihnen Schutz vor dem Zerstörer.
„Gegründet ist sdorts der Thron durch Gnade,
„Es sitzt darauf im Zelte David's„Ein Richter, das Recht eifrig suchend,
„Und eifrig in Gerechtigkeit*).
Hat Chiskija dennoch Eroberungen in Moab gemacht? Oder hatsich das Land ihm freiwillig unterworfen? Etwas dergleichen mußvorgekommen sein, denn unter Chiskija scheint es einen judäischen Statt-halter von Moab (kaobat-Noal)) gegeben zu haben. Dieses Amt hateiner judäischen Familie, wie es scheint, den Nachkommen des Feld-herrn Joab, deren Oberhaupt es verwaltet hatte, den Namen „P ach at-Moab" verliehen 2).
Obwohl keineswegs durch Kriegsthaten hervorragend, nahmJuda unter Chiskija doch nach Sancherib's Niederlage eine gebietendeStellung unter den Ländern ein, welche zwischen dem Euphrat undAegypten lagen, die sich wohl zur selben Zeit von Assyrien losgelösthatten. Ein König aus fernem Lande bestrebte sich ein Bündniß mit
*) Jesaia l6, 1. 3—5. So dunkel auch diese Prophezeiung, so räthselhaftnamentlich der Zusammenhang und so ungewiß auch der Hintergrund ist, so istsie doch in so weit durchsichtig, daß V. 5 sich nur auf Chiskija beziehen kann,wie es die Ausleger geahnt haben. V. 1 no iniv, was keinen Sinn giebt, mußin 12 minr smendirt werden. Das Wort bedeutet — Huldigungsgeschenk.Der Imperativ setzt voraus, daß die Moabiter in ihrer Noth emander auffordern,Huldigungsgeschenke nach Zion zu senden, damit diese Stadt die Flüchtlinge gutaufnehmen und beschützen möge. Die Aufforderung ergeht an die Häuptlinge.Man muß demnach statt p-m iwie lesen p-m 's-chr, dann ist dieser Passus voll-ständig verständlich. Nur muß man, was bereits einige Exegeten vorgeschlagenhaben, V. 2 ausscheiden und V. 1 mit 3 und den folgenden verbinden jVgl.jedoch Luzzatto zur Stelle^.
-) S. Note 7.