Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
220
Einzelbild herunterladen
 

220

Geschichte der Juden.

Landstädte Juda's war ^). Wozu brauchte er eine Belagerung gegendas, von Natur und durch Kunst stark befestigte Jerusalem zu unter-nehmen? Sobald das Land Juda nach allen Richtungen eingenommenwar, mußte die Hauptstadt sich von selbst ergeben. Dann wäre esJerusalem wie Samaria ergangen, und die drei oder vier Stämmewären in Gefangenschaft geschleppt und zersplittert worden und wärenunter den Völkerschaften verschiedener Zungen untergegangen. Undbei dieser trostlosen Aussicht hielt Jesaia an der ihm gewordenen Ver-kündigung fest, daß Juda nicht untergehen werde. Leiden wird esallerdings durch Sancherib's Eroberung erdulden; aber diese Leidenwerden heilsam zur Besserung, wenn auch nicht des ganzen Volkes,so doch eines Theiles sein. Mit Anknüpfung an den Namen seinesSohnes Schear-Jaschub (ein Rest wird umkehren o. S. 109) ver-kündete Jesaia:Ein Rest wird umkehren, ein Rest Jakob's zum

mächtigen Gotte; denn wenn dein Volk Israel auch wie Sand amMeere sein wird, so wird doch nur ein Rest umkehren. Die Ver-nichtung ist fest beschlossen, aber herbeifluthend Gerechtigkeit ?)".

Jesaia war nicht der einzige Prophet, welcher in dieser Zeitder Drangsale und des drohenden Unterganges nicht bloß die Fahneder Hoffnung hochgehalten, sondern eine glänzende Zukunft für Israelverheißen hat, an welcher alle Völker der Erde theilnehmen würden.Auch Micha hat in demselben Sinne wie Jesaia gesprochen, wennauch nicht so künstlerisch und treffend. Er hat aber noch bestimmterinmitten des Kriegsgeräusches den ewigen Frieden unter sämmtlichenVölkern für die Zukunft in Aussicht gestellt und dadurch die gesunkeneHoffnung in Jerusalem zu heben versucht. Ausgehend von der Prophe-zeiung jenes alten Propheten, daß von Zion die Lehre ausgehen, unddaß die Völker ihre Schwerter zu Werkzeugen des Ackerbaues ver-wandeln und nicht mehr die Kriegskunst erlernen würden ^), fuhrMicha fort:

.Dann wird ein Jeder weilen unter seinem Feigenbaum

und unter seinem Weinstock. Dann mögen alle Völker wandeln nachihren Göttern, wir aber wollen wandeln im Namen unseres Gottes.An diesem Tage werde ich das Kranke aufnehmen und das Verstoßene

sammeln.und der Herr wird über sie in Zion von jetzt an

bis in Ewigkeit regieren.

Du Heerdenthurm, Höhe des Berges Zion,

Zu dir wird die alte Herrschaft wisderkehren,

*) Folgt aus Micha 1, 13.

-) Jes. 10, 2122.

s) S. oben S. 89.