120 Geschichte der Juden.
„Jhwh ist mein Licht und mein Heil,
„Vor wem sollte ich mich fürchten?
„Gott ist meines Lebens Stütze,
„Vor wem sollte ich bangen?.
„Wenn ein Kriegslager sich um mich scharte,„Würde mein Herz nicht erschrecken,
„Wenn Krieg sich gegen mich erhöbe,
„Würde ich darauf vertrauen.
„Eins habe ich von Gott verlangt,
„Und dieses erflehe ich:
„Daß ich weilen könnte in Gottes Tempel„Alle Tage meines Lebens,
„Gottes Huld zu schauen
„Und in seinem Tempel aufzuwarten.
„Ich würde in seinem Zelt Opfer des Jubels darbringen,„Lobsingen und preisen den Herrn".
„Denn haben mich Vater und Mutter verlassen,
„So hat mich Gott ausgenommen",*).
Die Sangeslust hob diese Sanftmüthigen hoch über die Tagesleidenund den Druck der Zeiten hinweg. In den mannichfaltigsten Wendungendrückten sie dieselben Gedanken und Gefühle aus; der Grundton ihrerSangesweise war Gottvertrauen und Preis der Duldertugend, derGenügsamkeit.
„Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig,
„Denn auf Dich vertraut meine Seele
„Und in Deiner Flügel Schatten berge ich mich,
„Bis das Unheil vorüber ist.
„Fest ist mein Herz, o Gott, fest ist es,
„So will ich singen und lobpreisen.
„Erwache, meine Seele, erwache!
„Mit Lauten und Harfen will ich den Morgen wecken,
„Will Dich, o Herr, bekennen unter Völkern,
„Will Dich preisen unter Nationen,
„Denn weit bis zum Himmel ist Deine Gnade,
„Bis zu den Wolken Deine Treue" ^).
Ein anderer Psalmist aus diesem Kreise sang jenes gefühlvolle Liedder Genügsamkeit, welches wie ein Wiegenlied besänftigend wirkt.„Gott ist mein Hirt,
„So wird mir nichts mangeln.
„Auf grasreichen Auen wird er mich lagern lassen,
„Zu Gewässern der Ruhe mich leiten,
*) Pf. 27; vergl. Ps. 3. 7. 4Ü 84. 9l. 82. 94. 138 und noch manche andere,welche denselben Grundton haben.
2) Ps. 57 und 108: sie ergänzen einander, da sie vollständige Parallelensind. muß übrigens als .4ecnsnt. re.-gieetiv. genommen werden: mit
Nablium und Harfe will ich den Morgen wecken.