Jesaia's Ideale.
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Laster sprechen müssen. Der Adel ist nicht so leicht zu bessern, erspottet mit einem verächtlichen Lächeln der ihm drohend vorgehaltenenZukunft. Aber vergebens gesprochen waren diese wuchtigen Wortenicht, sie haben in Kreisen gewirkt, an die sie nicht gerichtet waren;sie haben auch in entfernten Ländern unter entfernten Völkern undin späteren Zeiten gewirkt. Sie haben das schlummernde Gewissenwie mit Donnerstimmen aufgerüttelt. Jesaia begnügte sich aber nichtdamit, die Frevelthat bloß zu rügen, sondern er stellte sich auch einsittliches Ideal auf, durch dessen Verwirklichung die Menschen ihr Heilfinden und ihre Befriedigung erlangen könnten. Der König soll nachGerechtigkeit regieren und auch über die Fürsten, daß sie nach Rechtherrschen sollten. Der König soll nicht nach dem Augenschein richtenund nicht nach dem Gehörten seiner Ohren entscheiden^). „Wer inGerechtigkeit wandelt, aufrichtig spricht, verachtet den Gewinn von Un-recht, seine Hände abschüttelt, um nicht Bestechung zu fassen, sein Ohrverschließt, um nicht von Blutschuld zu hören, sein Auge zudrückt, umdas Böse nicht zu sehen, ein solcher wird Höhen bewohnen" "). TenLippengottesdienst, der Gott mit dem Munde Preist, während dasHerz fern davon ist, „ein angelerntes Gebot von Menschen" behandelteJesaia mit der größten Verachtung ^) und noch mehr das Opferwesenmit Gesinnungslosigkeit und Schlechtigkeit verbunden. „Wozu soll mirdie Fülle eurer Opfer, ist Gottes Spruch? Ich habe die Ganzopfervon Widdern, das Fett von feisten Stieren satt, das Blut von Rindern,Lämmern und Böcken mag ich nicht. Wenn ihr kommt, mich imTempel aufznsuchen, wer hat solches von euch verlangt, meine Höfezu betreten? Ihr sollt nicht mehr leere Gaben bringen, Räucherwerkist mir ein Gräuel, Neumond, Sabbat und Festesverkündigung magich nicht ertragen, Fastens und Weihtage. Eure Neumonde undFeiertage hasse ich, sie sind mir zur Last". Wie soll aber die Lebens-weise gestaltet sein? Gegenüber der Genußjagd und Ausschweifung,welche der Reichthum erzeugte, stellte Jesaia das einfache Hirtenlebenals Muster auf, wie es die Vorfahren oftmals getrieben, und wie eszu seiner Zeit die Rechabiten (o. S. 26) treu und beharrlich festge-halten haben. Jeder soll ein Rind und zwei Schafe ernähren; Milchund Honig wird jeder, der noch im Lande übrig bleiben wird, genießen ^)
'> Jesaia 32, 1; II, 3.
-) Das. 33, IS—16.
°) Das. 29, 13.
st Das. I, 11—14. Stattdas unverständlich ist, hat b,XXv«, was besser paßt.
5) Das. 7, 21—25; 32, 19—20.