Innere Kämpfe in Juda.
93
wurde. Usia's Augenmerk war einzig und allein auf kriegerischeKräftigung, auf Bogen, Schild und Schwert gerichtet, geistige Interessenlagen ihm fern oder mögen ihm sogar widerwärtig gewesen sein. DenAhronideu mag er manchen Anstoß gegeben haben, besonders da seitseinem Großvater Joasch das friedliche Verhältniß zwischen dem König-thum und dem Priesterthum erschüttert worden war. Wollte sich dieGewalt des Königs auf den Tempel erstrecken, so fand sie auf diesemWege die Hohenpriester, die auch eine Macht waren, ebenso gesalbt,wie die Nachkommen David's. Die Leviten scheinen Veranlassung zueiner Spannung zwischen Usia und dem Hohenpriester gegeben zuhaben. Sie scheinen nämlich mit ihrer untergeordneten Stellung amTempel und mit der dadurch bedingten Verkürzung ihrer Einnahmenunzufrieden gewesen zu sein. Selbst die Sängerklasse, welche denedelsten Theil des Gottesdienstes mit Saitenspiel und Psalmen leitete,hat durch die von Salomo eingeführte Ordnung keine ebenbürtigeStellung eingenommen, sondern stand nur um eine Stufe höher alsdie Tempelsklaven, die Gibeoniten. Darüber mögen sich die Sängerund sämmtliche Leviten beim König beschwert und dieser mag Parteifür sie genommen haben. Was auch die Veranlassung gewesen seinmag, Thatsache ist es, daß in den letzten Regierungsjahren Usia'szwischen- ihm und dem damaligen Hohenpriester Asarja Reibungenausgebrochen sind, wie zwischen Joasch und Zacharia (o. S. 57). DerKönig mag sich erinnert haben, oder Andere haben ihn darauf auf-merksam gemacht, daß in uralter Zeit die Erstgeborenen, d. h. dieFamilien- und Stammhäupter, Priesterdienst verrichten durften. Wasehemals Gesetz und Gewohnheit war, das konnte doch wohl aufgefrischtwerden. Um den Hohenpriester um sein Ansehen zu bringen, thatUsia den kühnen Schritt, die alte Ordnung wieder einzuführen. Erbegab sich in das Allerheiligste mit einer Weihrauchschale und begannauf dem goldenen Altar den Weihrauch anzuzünden, gerade diejenigeFunction, welche dem Hohenpriester allein Vorbehalten blieb. DieEntrüstung darüber unter den Ahronideu war gewaltig. Der Hohe-priester Asarja, welcher mit achtzig Priestern ihm in's Allerheiligstenacheilte, sprach drohend zum König: „Nicht dir gebührt es, o Usia,Räucherwerk darzubringen, sondern dem geweihten Priester aus Ahron'sFamilie. Verlasse eilig das Heiligthum, denn du begehst eine Ent-weihung und es wird dir nicht zum Ruhme gereichen" *).
') Chronik II, 26, 16—18. Die Relation ist gewiß historisch, denn derChronist kann sie unmöglich erfunden haben, und es lag auch kein Grund vor,Usia zu verdächtigen. Sie scheint im Buch der Könige ausgefallen oder ge-flissentlich weggelassen zu sein.