Der Stierkultus in Bethel und Dan. 11
politisch vortheilhafter Kultus könnte auch ihm, dem Emporkömmling,zu Statten kommen, dachte Jerobeam. Er entwarf daher mit seinenRathen den Plan, ihn im Zehnstämmereich einzuführen. Er berechnete,daß ein solcher Kultus ihm auch nach einer anderen Seite Nutzenbringen würde, er würde ihm die Gunst des ägyptischen Hofes erhalten.Israel würde nur als ein Anhängsel zu Aegypten erscheinen, und beidewürden, so wie eine gemeinsame Gottesverehrung und gemeinsame Sitte,so auch gemeinsame Interessen haben. Das ägyptische Wesen war ihmüberhaupt nahegelegt, da seine Frau wahrscheinlich eine Aegypterinwar und aus dem Königshause stammte (o. S. 7). Um aber nichtals Neuerer in der Gottesverehrung zu erscheinen, gedachte er denSlierkultus gerade als die alte Religion der Israeliten auszugeben.Hatten doch die Israeliten in Aegypten und auch noch später in ihremLande den Apis-Abir verehrtZ. Dagegen sollte der Gottesdienst imjerusalemischen Tempel ohne Bildniß der Gottheit als eine von Salomoeingeführte Neuerung und Jerobeam als Wiederhersteller der uraltenisraelitischen Religion erscheinen^). Diesen Plan, worin viel schlaueBerechnung steckte, führte Jerobeam aus. Er verbot zunächst dasWallfahrten zum Tempel nach Jerusalem und ließ den Gott Israelsunter der Gestalt eines jungen Stiers (Kalbes) darstellen. Zwei solcherBilder mit Gold oder mit einem goldenen Belag (Nasssobak) ^) ließer anfertigen und stellte sie in zwei Städten auf, welche schon früherals geheiligte Stätten galten, in Bethel und in Dan, das eine fürdie südlichen und das andere für die nördlichen Stämme. Jerobeammachte es den Stämmen bequem, damit die Entferntwohnenden nichtnöthig haben sollten, zum Erntefeste eine weite Reise zu machen. Alsdie zwei Rinderbilder aufgestellt waren, ließ Jerobeam verkünden:„Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Aegypten geführt hat." InBethel, an dessen Kultus er sich selbst zu betheiligen gedachte, errichteteer einen größeren Tempel (Lst-Usmotll)^), in dem man nun einenAltar zum Opfern aufstellte. Um das Volk zu entwöhnen, sich amHerbstfest in Jerusalem zu betheiligen, bestimmte er, daß ein solcheseinen Monat später (im achten statt im siebenten) gefeiert werden
1) B. I. S. 370.
2) Eine Analogie dazu bietet, daß Chiskija, der den Götzenkultus abgeschaffthat, als Neuerer verlästert wurde; Jesaia 36, 7; Könige II. 18, 22.
o) Vgl. Könige, I. 11, 9.
Könige 1.12, 31; II. 23,15. Amos7,13,Könige 112, 30 kann nnun unmöglich„wie ein Mann" bedeuten, sondern es muß ergänztroerden: ^unw^u) nnunw-wvrnwimnp suirn veio; HXX haben dazu den Zusatz »«t kl»o»v röv vixov xnplov wixn'n nw nu d. h. das Volk wallfahrtete nicht mehr nach dem Tempel zu Jerusalem.(Aehnlich Benzinger, anders, aber nicht besser, Klostermann zur Stelle.)