Niedergang des Zweistämmereiches u. Unruhen im Zehnstämmereich. 9
Jdumäa, so konnte er nicht mehr Schiffe nach dem Goldlande Ophirauslaufen lassen, und damit war die ergiebigste Quelle des Reichthumsversiegt. Auch die andern Quellen hatten aufgehört zu fließen. DerZwischenhandel mit Rossen und Kriegswagen aus Aegypten, welcheeine königliche Handelsgesellschaft bis in die Euphratgegend zu liefernpflegte, konnte nicht mehr betrieben werden, da die Ausfuhr nach denNordländern durch die Entstehung des Zehnstämmereichs abgeschnittenwar. Der Goldglanz der salomonischen Zeit war unter Rehabeam inJudäa erloschen, die Zauberwelt zerronnen. Um äußerlich noch einengewissen Glanz beizubehalten, sich beim Gang zum Tempel von Trabantenbegleiten zu lassen, gab Rehabeam ihnen statt der goldenen Schildeund Speere, die Scheschenk nach Aegypten entführt, solche aus Erz indie HandZ. Juda war ein armes Land geworden, das sich wie vorEntstehung des Königthums nur durch den Betrieb des Ackerbauesernähren konnte.
Auch im Zehnstämmereich ging es Jerobeam nicht nach Wunsch.Selbstverständlich machte er Sichem zu seiner Residenz und zum Mittel-punkt des Reiches, es sollte mit Jerusalem wetteifern oder es nochverdunkeln. Jerobeam hat es auch befestigt 2). Der Stamm Ephraimbildete den Grundstock des Zehnstämmereiches, und dieses wurde ingleicher Weise Ephraim oder Haus Joseph oder Haus Israelgenanntb). Allein die Sichemiten, die Führer des Stammes Ephraim,welche Jerobeam's Thronbesteigung gefördert hatten, waren zukeiner Zeit zuverlässige Bundesgenossen und noch weniger gefügigeUnterthanen. Ungestüm, eine Neuerung zu unterstützen, hatten sienicht die Geduld und Ruhe, sie zu ertragen, wenn sie ihnen lästigwurde. Wie sie in der Richterzeit mit Abimelech verfahren waren,ihn zuerst als König anzuerkeunen und seine Unthaten zu unterstützenund gleich darauf eine feindselige Haltung gegen ihn anzunehmen,ebenso scheinen die Sichemiten Jerobeam Unbotmäßigkeiten gezeigt zuhaben, als er mit seiner Königswürde Ernst machte, ihnen den strengenHerrn zeigte und von ihnen Gehorsam verlangte. Es scheint zu Reibungenzwischen Jerobeam und den Sichemiten gekommen zu sein, in Folgederen er Sichem verließ und eine andere Stadt zu seiner Residenzmachte, die Stadt Thirza (jetzt Talusa)^). Sie lag etwa eine Stunde
*) Könige das. 14, 27 fg.
2) Könige das. 12, 25.
Hosea 4, 17; 5, 3 fg.; 6, 4; 7, 1 sg.; 8, 9 fg.; 9, 3 fg.; 16, 6 sg.;11, 3; 12, 1 fg.; 13, 1 fg.; 14, 9; Zacharia 9, 10 fg.; Jesaia 7, 2 fg.; 9, 8;Pf. 78, 67.
Cs folgt daraus, daß Sichem in der folgenden Geschichte gar keine Rollemehr spielte, Thirza dagegen nicht bloß unter Baescha und den folgenden Königen