2
Geschichte der Juden.
kamen in Jerusalem nicht mehr vor. Rehabeam wäre solchen auchnicht gewachsen gewesen. Denn so wenig wir auch von seinenpersönlichen Eigenschaften wissen, so ist doch so viel gewiß, daß erseinem Vater nicht ähnlich war und daß seine Geistesanlagen nochweniger als mittelmäßig waren. Wie alle im Purpur geborenenKöuigssöhne, denen keine hervorstechende Charaktergröße zu Theilgeworden, war er kurzsichtig und hochmüthig und dabei so unselbst-ständig, daß er sich selbst nicht rathen konnte. Er hatte weder
kriegerischen Geist, noch Sinn für das Großartige. Der Thronsollte ihm lediglich Mackst, süße Ruhe und Lebensbehaglichkeit sichern.Dieser Traum, den er gehegt haben mochte, war indessen nur vonkurzer Dauer. Es erfolgte darauf ein schreckliches Erwachen. Uner-wartet stellte sich ein Feind ein, der ihm Macht, Ruhe und Lebens-behaglichkeit raubte und im israelitischen Staate einen Riß hervor-brachte, der nimmermehr geheilt werden konnte.
Jerobeam, Sohn Nebat's, der Ephraimite, welcher in Sa-lomo's letzten Regierungsjahren die Fahne der Empörung geschwungen,aber für den ersten Augenblick keinen Erfolg erzielt hatte und nachAegypten geflohen war (I. S. 363), kehrte bei der Nachricht vonSalomo's Ableben sofort nach der Heimath zurück *), um zum zweitenMal mit seinen ehrgeizigen Plänen, die von einem Propheten gebilligtwaren, aufzutreten. Wahrscheinlich hat sein Gönner Scheschenk
1) Könige I. 12, fg. V. 2. statt muß man mit Chronik
II. 10, 2 lesen . . . ov-:. Der chronologische Gang der Ereignisse von
dem Abfall der Zehnstämme, wie er sich aus den Umständen von selbst ergiebt,stimmt, oberflächlich betrachtet, nicht mit der Darstellung in der Relation, d. h.diese folgt nicht einer chronologischen Ordnung Jerobeam war der Urheber desganzen Aufstandes, das läßt sich nicht verkennen. (Vergl. Chronik II. 13, 6—7);er war der Hauptsprecher (Könige das. V. 3 u. 12). Folglich begann die Bewegungmit seiner Rückkehr. V. 2 steht aber nicht im Widerspruch mit V. 20a. DerLetztere knüpft nur an den Ersteren durch ein Finitum an, statt des Infinitivs:.-npn mm onipri orchv-i, denn V. 3 mutz man nothwendig zu mipn er-gänzen: alp.-, im, das in V. 20 angegeben ist. V. 2 und Eingang von V. 3bilden also den Anfang und V. 1 die Folge. — Nicht etwaige Stände habenRehabeam in Sichern huldigen wollen — eine Huldigung ist bei Salomo'sRegierungsantritt gar nicht vorgekommen —, sondern die Aeltesten Jsrael'slegten ihm den Zwang auf, nach Sichern zu kommen. Es war der erste Schrittzur Renitenz. Den Aufruf zur Empörung V. 16 hat Jerobeam gethan, wieScheba Sam. II. 20, I. V. 17 steht ebenfalls außer chronologischer Ordnungund gehört zu Vers 21a. Für das Wort rmi in V. 16 haben OXX Lvaxkd. h. ripi, was richtiger ist. sVgl. Benzinger in „Marti's Kurzem Hand-Commentar zum Alten Testament", Abt. IX: „Die Bücher der Könige" zur Stelle). —Aus V. 18 geht hervor, daß die Sichemiten den König Rehabeam bedroht haben.