Note 30. Die judäischen Münzen in der nachexilischen Zeit. 833
die Überprägung auf Kaisermüuzen verraten, zeugen nicht dagegen, da dieseBuchstaben der Rest des Namens 7VL/VI7V0 6' und auf Neromünzen überprägtsein können. Die undeutlichen Spuren von einem Kaiserkopf können ebensoauf Nero Hinweisen und nur zur Annahme berechtigen, daß Lulab-Müuzen aufrömische Münzen geprägt worden sind. Nur das eine Exemplar, welches deut-liche Spuren deS Namens Vibu8 VIavin8 Vespasianns zeigt (IV, Nr. 3), kannselbstverständlich nicht der ersten Revolutionszeit angehören. Allein da dieTatsache feststeht, daß die Lulabmünzen durchaus auf den Bestand JerusalemsHinweisen, so kann diese einzige Ausnahme (Hamburger verzeichnet und be-schreibt etwa 16 derartige Überprägungen (Nr. 27, 31, 32, 33 in drei, 34 invier Exemplaren, 44, 56 in drei Exemplaren, 54 und 55) und darunter wenig-stens 7 vom Vf. so genannte Lulabmünzen) sie nicht aufhebcn. Das ge-nannte Exemplar kann unecht, d. h. von einem Falschmünzer nachgeahmt wordensein, um den Preis seines Fabrikats zu erhöhen. Dergleichen Falschmünzereiist bekanntlich in Italien schwunghaft betrieben worden.
An denjenigen Exemplaren der Lulabmünzen, welche gar keinen Nameneines Prägherrn, sondern lediglich orm mir und vir mit
(Figur I. II.) haben, ist gewiß nicht zu mäkeln, sie können aus der erstenRevolution stammen. Aber auch die Spezies, welche neben irch aw (oder
vollständig mini) und statt oie-iw den Namen ppvir haben, brauchen nicht zuden Simon-Münzen geworfen zu werde», welche notorisch in der nach-trajanischen Zeit geprägt sein müssen.
Gehen wir näher auf die Simonmünzen ein. Mehrere Exemplare dieserKlasse haben neben der Inschrift ix-m- nixri nnu nur mehr oder wenigerdeutlich den Namen ivie" iipvir, und die allermeisten Numismatiker
beziehen sie auf Simon ben Gamaliel, den Naßi des Synhedrion,der in jder ersten Revolution eine hervorragende Stelle eingenommen hat*).Die meisten Exemplare mit diesem Titel, soweit sie bekannt sind, haben alsEmbleme entweder einen Palmzweig und ein Weinblatt oder einenPalmzweig und eine Lyra. Nur ein einziges Exemplar hat statt dieserSymbole einen Kranz und die Legende me?: ppve? und auf der andern
Seite eine Urne sinit zwei Henkeln und rings um dieselbe die Legende
*) Nach Josephus' Angabe hatte ö roü eine große
Bedeutung während der ersten Peripetie des Krieges (Vita. 38). Er sei vonsehr glänzendem Geschlechts gewesen (^»ov? ^a^Trxoü), was bei
ihm sagen will: von noch glänzenderem als die Hohenpriestergeschlechter, d. h.er sei von königlich-davidischem Geschlechts gewesen. Josephus deutetauch an, daß dieser Simon an der Spitze der Natsversammlung gestandenhabe. Er berichtet (a. a. O.), Johannes von Gischala habe sich an Simon benGamaliel gewendet, daß er das „Gemeinwesen" überrede, ihm, Josephus,die Statthalterei zu entziehen (7,-kaar rv »o-vov rwvFür xmrvv, Gemeinwesen oder höchste Behörde (o. S. 824) nennt Josephusan einer andern Stelle (das. Z 12) An diese
Rats Versammlung erstattete er nach seiner Ankunft in Galiläa Bericht undverlangte von ihr Befehle. Diese Behörde oder dieses Synhedrion oder Koinonmutz aus 70 Mitgliedern bestanden haben, denn Josephus erzählt, nachseiner Ankunft in'Galiläa habe er 76 alte Männer als Archonten überGaliläa gesetzt (jüd. Kr. II, 20, 5). Warum gerade Siebzig? Entschiedennach dem Muster des Jerusalemischen. Josephus beabsichtigte offenbar,an dem von ihm kreierten galiläischen Synhedrion einen Rückhalt gegendas jerusalemische zu haben. Doch dieses nebenher.
Graetz, Geschichte der Juden. 711. 5^