Note 23. Zeit d. Anwesenh. d. adiaben. Königin in Jerusalem. 791
gemacht wurde. Petrus war Apostel für die Bcschneidung'). An das Apostolatfür die Heiden oder für die Vorhaut rHx «xpo^varl«?) dachten
die damaligen Vorsteher der jungen Kirche um so weniger, als Jesus ihneneingeschärft haben soll, den Weg der Heiden nicht zu gehen und nicht einmalin die Stäote der Samaritaner einzugehen"). Erst Paulus ist darauf ge-kommen, den Heiden zu predigen"). Es war eine Neuerung, welche bei denJudenchristen auf Widerspruch gestoßen ist. Wie kam Paulus auf diese Neuerung?Der Gedanke ist in ihm aufgeblitzt, daß die „Fülle der Heiden" in den Abrahams-bund ausgenommen werden soll^), und zwar nicht durch die Beschneidung — weildann der Zutritt eine Unmöglichkeit wäre — sondern durch den Glauben an Jesusals Messias und als auferstandcnen Messias. Dieser Gedanke beherrschte Paulus;seine Episteln sind voll davon, seine ganze Tätigkeit ist darauf gerichtet, die Heidenzu gewinnen, damit auch sie Teil an der Verheißung an Abraham haben sollen.Das Keimen eines solchen Gedankens mutz psychologisch erklärt werden. DerUmstand ist nicht gleichgültig, daß Paulus' Bekehrung in Damaskus statt-gefunden hat. In dieser Stadt gab es judäische Proselyten, und die meisten Frauenwaren dem Judentums anhänglich"). Noch mehr Eindruck muß es auf Paulus, der,wie er von sich selbst aussagte, ein Übereifriger der väterlichen Überlieferung war"),gemacht haben, wenn er Zeuge dessen war, wie eine heidnische Königin ausweiter Ferne von jenseits des Euphrat auf einer Reise, welche mehrere Monatedauerte und mit Gefahren verknüpft war'), nach Jerusalem gekommen war,um den dort verehrten Gott anzubeten und im Tempel zu opfern. Hat Paulusdieses erstaunliche Ereignis, von dem ohne Zweifel damals in der judäische»Welt mit Bewunderung gesprochen wurde, vor seiner Bekehrung erlebt?Wenn sich das Nachweisen ließe, so könnte man ohne kritisches Bedenkenschließen, daß diese außergewöhnliche Erscheinung, welche auf seinen lebhaftenGeist einen gewaltigen Eindruck gemacht, ihn auf den Gedanken geführt hätte,die Heidenwelt für den dem Hause Abraham verheißenen Segen zu gewinnenoder Apostel der Vorhaut zu werden. Die Zeit seiner Bekehrung muß also er-mittelt werden.
Leider findet sich in keinem seiner Briefe ein fester chronologischer An-haltspunkt dasür. Er hatte ebensowenig Interesse für die Zeitbestimmung, wiefür die alte Geschichte, die er in arger Konfusion wiedergibt. Nur zwei An-deutungen für die Chronologie geben seine Briefe. Im Galaterbrief erzählter, daß er nach seiner Bekehrung sich nicht nach Jerusalem zu den (drei)Aposteln begeben, sondern nach Arabien (Auranitis) ging und dann wieder,nach Damaskus zurückkehrte. Erst nach drei Jahren begab er sich nachJerusalem, blieb nur einige Tage daselbst und reiste nach Syrien und Cilicien.Nach 14 Jahren kam er wieder nach Jerusalem mit Barnabas und dem»»beschnittenen Titus"). Die 14 Jahre sind aber nicht von den drei Jahren
') Galaterbrief 2, 7. 8: »TrnorolH rH?
') Matthäus-Evangelium 10 , 5.
Galatbr. 1, 16. Römerbr. >1, 13; 15, 16.
^) Römerbr. II, 25.
"> Joseph, jüd. Krieg II, 20, 2.
") Galaterbr. l, 13.
') Jos. Altert. III, 15, 3. Diese Stelle bezieht sich offenbar aus Helenaund ihr Gefolge. jA. a. O. ist weder von einer heidnischen Königin noch vonderen Gefolge die Rede.)
") Galatbr I, 17—18. 21; 2, l—3.