Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Seite
773
Einzelbild herunterladen
 

Note 22. Die Vorstadt Bezetha.

773

angenommen wird, die Grabeskirche erbauen lassen. Nun war zur Zeit Jesudas Quartier Bezetha bereits bewohnt, folglich müßte der Gräberplatz auchaußerhalb dieser Vorstadt gelegen haben. Die katholischen Topographen hattenund haben aber das höchste Interesse daran, der Bezetha eine solche Lage dichtam alten Jerusalem zu geben, daß der Platz der Grabeskirche innerhalb derjetzigen Stadt zu liegen käme. Dieser Auffassung traten protestantische Topo-graphen entgegen, zuerst Robinson, und der Streit ist noch nicht geschlichtet.Auf den von Zimmermann zusammengestellten Plänen kann man an der Zeich-nung für die Bezetha sofort erkennen, ob der Verf. dem katholischen oder ka-tholisierenden Bekenntnisse angehört oder ob er ein Protestant ist. Alle die-jenigen topographischen Pläne, welche die Bezetha nächst der Ringmauer umdiesen Stadtteil so zeichnen, daß sie der Stadt im Nordwesten näher liegt alsim Nordosten, stammen von Katholiken und sind derart angelegt, daß im WestenRauni für Golgatha außerhalb Jerusalems bleiben kann; diejenigen aber, welche«inen weiten Bogen von West nach Ost und innerhalb dieses weiten Raumesdie Bezetha zeigen, sind Karten protestantischen Ursprungs.

Ausfallende Differenzen betreffen noch andere Punkte. Die meisten Topo-graphen identifizieren Bezetha vollständig mit der Neustadt. Nur Sepp legtsie weit auseinander und schiebt die Akra oder Unterstadt dazwischen. Menke,Caspari, Furrer und Tobler geben einen kleinen Raum für die Vor-stadt und einen viel größeren Raum für die Neustadt oder Bezetha. Toblerunterscheidet genauer die kleinere alte Vorstadt im Süden und nördlichdavon die größere neuere Vorstadt oder Bezetha. Die meisten Topographennehmen ferner keine Rücksicht auf die Terrainvcrschiedeuheit der Bezetha. NurLewin (auf Zimmermanns Plänen, Karte Nr. VI.) unterscheidet Oberbezethavon Unterbezetha. Die erstere legt er westlich und die letztere östlich.Schultz (das. Nr. III) unterscheidet Bezetha oder Neustadt vom Hügel Be-zetha; den letzteren zeichnete er südlich von der Neustadt. Endlich bildet nocheinen Differenzpunkt die Lage der Nordmauer um die Bezetha. Die allermeistenziehen sie in der Art, daß ein großer Zwischenraum zwischen der Mauer undden Königsgräbern oder dem Grabe (Grabmal, Denkmal) der Helenableibt, deren Identität durch Robinsons gründliche Untersuchung feststeht. Aberselbst dieser läßt noch einen ziemlichen Zwischenraum zwischen der Mauer unddem Grabdenkmal der Helena. Nur Williams (Nr.II), Fergusson (Nr. V) undThrupp (Nr. VI) ziehen die nördliche Bczethamauer bis dicht an das Grab-denkmal. Dagegen verlegt Schultz (Nr. III) die Königsgräber innerhalb dieserMauer. Das Merkwürdige ist, daß alle diese Topographen ihre Pläne vonJerusalem nach Josephus' Angaben angelegt haben. Jeder hat also etwasanderes in dieser Quelle gesunden; denn eine andere gab es für sie nicht.Eine Quelle, die allen diesen Differenzen ein Ende macht, kannten sie nicht.Wir wollen nun diese andere Quelle zu Rate ziehen und sie mit Josephus' Angabenvergleichen. Es wird dann hoffentlich kein Zweifel mehr über die Lage derBezetha, der Neustadt oder Vorstadt, und über den Gang der Nordmauer oderdritten Mauer auskommen können.

Gehen wir zunächst von Josephus' bestimmten Angaben aus. An einerStelle (jüd. Kr. V, 5, 8), wo er von den drei festen Plätzen Jerusalems spricht,dem Tempel, der Antonia und dem Hsrodespalast in der Oberstadt, fügt erhinzu:Der Hügel Bezetha war von der Antonia getrennt, wie ich gesagt,und obwohl er, als der höchste von allen (Festen), an einem Teil der Neustadtlag, verdunkelte er nur von Norden her den Tempel" (oder verhinderte von