Note 21. Präzisier, d. Zeit f. d. d. Jud.betr. Borg, unterCaligula. 769
erhält den Brief mit dem Befehl des Selbstmordes" (L.-B. d. neutest. Zeit-geschichte S. 261 (jetzt 1?, S. 506). Danach bestimmt Schürer die voraufgehendenFakta chronologisch. Er ging dabei von der Voraussetzung aus, „daß die Nach-richten von Nom resp. Gallien bis Jerusalem und umgekehrt im Durchschnitteetwa zwei Monate brauchten".
Diese Voraussetzung ist aber entschieden falsch, und ebenso unrichtig istJosephus' Angabe, daß dis Nachricht von Caligulas Tode Petronius erst in2 Monaten 3 Tagen erreicht habe. So lange kann die Schiffahrt von Italiennach der Küste Palästinas unmöglich gedauert haben, zumal wenn eine so hoch-wichtige Nachricht wie die von der Ermordung des wahnwitzigen Tyrannen,welche eine völlige Umwälzung in Aussicht stellte, den Statthaltern zu über-briugen war. Ludwig Friedländer hat nach einigen bei Schriftstellern vor-kommenden Notizen ausgerechnet, daß der Weg von der italienischen Küste, vonOstia, bis Alexandrien in 15 Tagen zurückgelegt wurde, daß die gewöhnlicheFahrt zwar länger dauerte, aber doch nicht mehr als 20—25 Tage zu dauernbrauchte (Sittengeschichte Roms II, 2, S. 14). Nun, der Weg von Alexandrienbis nach Joppe oder einem andern palästinensischen Hafenplatze, welchen gegen-wärtig ein Dampfer ununterbrochen in kaum 24 Stunden zurücklegen kann,und vom Hafen bis nach Jerusalem kann doch unmöglich mehr als einen Monatgedauert haben? Man darf im Gegenteil von vornherein annehmen, daß einedringende Nachricht, welche von Rom nach Syrien und Palästina zu überbringenwar und sicherlich auf dem kürzesten Wege befördert wurde, kaum länger alseinen Monat brauchte. Diese Dauer läßt sich aber auch historisch belegenund dieser Beleg wird eine annähernde chronologische Präzisierung der be-treffenden Fakta ermöglichen.
Kaiser Tiberius wurde am 16. März 37 ermordet, und die Nachricht bavontraf in Jerusalem zur Zeit des Passafestes ein. Josephus erzählt nämlich,Vitellins, der von Tiberius den Auftrag erhalten hatte, im Interesse desHerodes Antipas den Nabatäerkönig Aretas mit Krieg zu überziehen, habe dasHeer vorausmarschieren lassen, und er selbst habe sich zur Zeit des bevor-stehenden Festes nach Jerusalem begeben. Am vierten Tage nach seinerAnkunft in Jerusalem sei ihm der Brief mit der Nachricht von Tiberius' Todeeingehändigt worden*). Das Fest, von dem hier die Rede ist, kann nur dasPassafest gewesen sein. Ein Jahr vorher war Vitellius ebenfalls zur Zeit desPassa in Jerusalem anwesend (Jos. das. XVIII, 4, 3). Nach der von Schürerangenommenen Voraussetzung, daß eine Nachricht von Rom nach Jerusalem un-gefähr zwei Monate gebraucht hätte, müßte das Passa im Jahre 37 tief imMonat Mai gefeiert worden sein, nämlich zwei Monate vom 16. März an ge-rechnet, — was kalendarisch ganz unmöglich ist. Wenn man dagegen dieseDauer auf einen Monat beschränkt, so wäre damals das Fest in die Mittedes April gefallen. In diesen Monat Pflegte das Passa öfter zu fallen. DerBeginn des Passamonats Nissan kann nämlich koinzidieren vom 27. Februarbis zum 12. April, das Passafest also vom 12. März bis zum 26. April, nie-mals aber später'*).
*) Josephus Altert. XVIII, 5, 3i «ürö? re (Ovrrk'IIk»?) ... kl?
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Es ist kein Zweifel, daß mindestens in dieser Zeit neben der Beobachtungder ersten Mondsichel die astronomische Berechnung für die kalendarische Fest-Graetz, Geschichte der Jude». Bd. III. Ig