Note 10. Das Sendschreiben der Palästinenser an die Gemeinden. 679
dazu früher ergangen sein, jedenfalls zwischen Oktober und Dezember. DieSyrer zählten mit dem Oktober den Jahresbeginn 170; für die Judäer da-gegen, bei welchen das bürgerliche Jahr mit dem Nissan begann (wie ausStellen im I. Makkab. svgl. Schürer a. a. O. 1^, S. 32 sf.j erhellt) galt das-selbe Jahr das ganze Wintertrimestsr hindurch noch als das 109te. DieJerusalemer konnten also schreiben, daß sie im Jahre 109 8sl. die Freiheiterlangt haben. Dieses Jahr der Befreiung vom Joche galt so sehr als epoche-machend, daß ein alexandrinisch-jüdischer Schriftsteller, Eupolemos, es alsAbschluß einer chronologischen Berechnung aufstellte, und auch ein andererSchriftsteller aus Alexandrien, Demetrios, scheint dasselbe Jahr als Abschlußberechnet zu haben (o. S. 002. 005).
Es ist nicht zu verkenne», daß die Jerusalemer in der freudigen Auf-wallung über diese Errungenschaft, welche die lange Reihe der Kämpfe undDrangsale seit Antiochos Epiphanes' Eingriffen oder seit Jasons Abfall, seitmehr als 30 Jahren, zum Abschluß brachte, daß in diesem Gefühl der Be-friedigung die Jerusalemer an die Alexandriner geschrieben haben. Möglichdaß in diesem Schreiben noch ein mchreres enthalten war, was jene früherzu eiuem gewissen Zwecke für mitteilenswert gehalten haben mögen. Diejenigen,welche dieses Schreiben später aus züglich zitieren wollten, haben nur das-jenige daraus mitteilen wollen, was ihnen für ihren gegenwärtigen Zweckdienlich schien.
Wir kommen damit zu dem dritten Punkt, nämlich zur Untersuchung derFrage, ob hier zwei Sendschreiben oder nur ein einziges vorliegen. Nun, dieVertreter der Zweiheit sind mit ihrer Behauptung so sehr in Verlegenheit,daß sie nicht mit Bestimmtheit angeben können, ob das zweite Sendschreibenmit dem Anfang eines Verses oder mit der Mitte beginnt. Damit ist aberauch diese Annahme gerichtet. Denn man müßte die enggefugte Konstruktionentzwei reißen, wenn man zwei verschiedene Sendschreiben daraus machen will.„Als Demetrios regierte, haben wir euch geschrieben . . . und nun, damit ihrdie Tage des Monats Kislev begehen möget, schreiben wir euch." Ständendie Worte in dieser Konstruktion so deutlich, so würde niemand an der Zu-sammengehörigkeit der 51 Verse zweifeln. Allerdings fehlt der Eingang zumfolgenden Passus: oder Aber liegt die Einleitung nicht
in der Konstruktion? . . . --»1 i-rix -»« . . . ol
^ 1 - lLgooo/.v.«oe? . . . Die Konstruktion läßt
la das Gegensätzliche nicht verkennen. Der mit xal xöx (Vers 0) beginnendeSatz verbindet den vorhergehenden Satz (V. 7) durchaus zu
einem ganzen. „Unter Demetrios im Jahre 109 haben wir euch geschriebenund jetzt, damit ihr begehen möget ... im Jahr 188 ... die in Jerusalemdem Aristobul . . . und denen in Ägypten Heil." Der Nachsal; „schreibenwir", wäre ja ganz überflüssig, da schon in der Grußformel diese Verbindungliegt. Angedeutet ist doch auch der Nachsatz in V. 18: 07-»' »/r-yoa/t-S« -Ira-uz-ti- . . . Gibt man zu, wie es Grimm tut, daß V. 1, 9 „damitihr die Tage begehen möget" mit dem voraufgehenden zusammenhängt, somuß man notwendigerweise auch zugeben, daß auch das folgende dazu gehört,da die Aufforderung, die Chanukafeier zu begehen, noch zweimal wiederholtwird (I, 18; II, 10), und das zweite mal ebenso wie das erste mal mit derAufforderung; «i-rni Reißt man das erste Stück mit dem
zweiten Datum davon ab, so ist ja das zweite unmotiviert. Warum sollen denndie ägyptischen Judäer die Feier mitbegehen? Es wäre ja nicht einmal an-