544
Geschichte der Juden.
übrigen unter siebzehn Jahr alten und die weiblichen Gefangenenwurden an die Meistbietenden verkauft. Wegen ihrer Menge mußtensie den Sklavenhändlern um einen Spottpreis überlassen werden. Vonden zuletzt zu den Römern Übergelaufenen wurden nicht alle, sondernnur vierzigtausend begnadigt*). Auch Josephns erhielt als Gnadeoder als Belohnung für seinen Verrat die Erlaubnis, sich Gefangeneanszuwählen. Er befreite zuerst seinen Bruder und fünfzig Be-freundete, dann suchte er sich unter den Söhnen nnd Töchtern seinerBekannten hundertnndneunzig aus, denen er, wie er sich rühmend hervor-hebt, ohne Lösegeld die Freiheit schenkte. Auch heilige Schriften retteteer und nahm sie in seinen Besitzt). So wurden die Söhne undTöchter Zions als Sklaven im römischen Reich umhergeschlendert.Wie viele Jammerszenen mögen die Unglücklichen dnrchgemacht haben!Eine Szene, welche den Später» in Erinnerung geblieben ist, magals Probe diene». Ein Jüngling und ein Mädchen von edler Ab-kunft waren zwei Herren als Sklaven zugefallen, nnd da beide vonstrahlender Schönheit waren, so beschlossen die beiden Eigentümer, siemit einander zu verheiraten. Nachts in eine Kammer zusammen-geführt, weinte der Jüngling und weinte die Jungfrau im Stillenüber ihr trauriges Los, daß sie, edelgeborene Jndäer, eine Sklaveneheeingehen sollten. Als die Dunkelheit schwand, erkannten beide einanderals Bruder nnd Schwester, sanken einander in die Arme nnd gabenunter Freude nnd Schmerz ihren Geist anf^). Wie viele solche herz-zerbrechende Schmerzen haben keinen Griffel gefunden, der sie der Nach-welt erzählte! Nur den Trost gab es noch für die Unglücklichen, nacheiner Stadt verkauft zu werden, wo eine judäische Gemeinde bestand.Da konnten sie mit Gewißheit darauf rechnen, daß sie von ihrenReligionsgenossen nm jeden Preis losgekanft werden und brüderlicheTeilnahme finden würden.
Als Titus den Schauplatz der Zerstörung verließ, blieb die zehnteLegion mit einem Anführer, wie es scheint, Sextus Cerealis, demVerwüster von Sichem und Jdumäa, zurück*). Zur Überwachung desLandes oder vielmehr des geringen Restes der Jndäer sollte einLagerplatz für ausgediente Soldaten angelegt werden. Zuerst wurdeThekoa dazu in Aussicht genommen, dann wurde ein Ort sechzigStadien (1.2 Kilometer) nordwestlich von Jerusalem dazu ausersehen,Ammans (Im-VIors). Dort wurden achthundert ausgediente Soldatenznrückgelassen; das Städtchen erhielt römisches Bürgerrecht und wurde
*) Josephns, jüd. Kr. VI, 8, 2! 9, 2.
2) Vita 75. 3) Oittin 58 a. nnd a. St.
*) Folgt aus jüd. Kr. VII, 6, 1. Vergl. Vita 75.