Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Sechszehntes Kapitel.

Untergang des judäischen Staates.

Die galiläischen Flüchtlinge in Jerusalem. Die Hauptstadt, ihre Bevölkerungund Befestigung. Währung. Schreckensherrschaft. Die Jduinäer. DieFührer Eleasar den Simon, Johannes von Gischala und Simon bar Giora.Zwietracht unter den Führern. Unterwerfung Judäas nach drei Feldzügen.Die Kaisermorde im römischen Reiche. Vespasian wird durch judäischeHelfershelfer zum Kaiser ernannt. Titus belagert Jerusalem. HartnäckigerWiderstand. Hungersnot, Fall der Burg Antonia. Brand des Tempels.Zerstörung der Stadtteile. Anzahl der Gefallenen.

67 70

Jerusalem war der Sammelplatz aller galiläischen Flüchtlinge.Johannes von Gischala hatte mehrere tausend Galiläer nach Jeru-salem gebracht und aus Tiberias waren 2000 Flüchtlinge eingetroffenZ.Der Freiheitsdrang, die Vaterlandsliebe, der Ehrgeiz, die Rache, dieVerzweiflung sandten ihre Vertreter dorthin, wo die letzte Entscheidungerfolgen sollte. Die Schilderungen, welche die galiläischen Zelotenvon dem Heldenkampfe der galiläischen Städte, trotz aller Hindernisse,und von dem Gemetzel der Römer an Wehrlosen und Schwachen ent-warfen, setzten das Blut der einheimischen Kämpfer in stürmischeWallung und steigerten die fieberhafte Spannung. In diesem vonFanatismus glühenden Kreise der Zeloten schöpfte der Verzagte neuenMut, der Mutige wurde tollkühn. Die Schar der Vaterlandsverteidiger,die mit jedem Tage anwuchs, und von denen die meisten schon Proben desHeldenmuts und der Todesverachtung abgelegt hatten, hielt sich fürunüberwindlich. Sahen die Zeloten auf die Festungswerke der Haupt-stadt, so schwand bei ihnen auch der letzte Schatten von Besorgnis. TieRömer müßten Flügel haben, sagten sie sich, wenn sie diese Bollwerke,diese Mauern, diese Türme, die von Männern mit Stahlherzen ver-teidigt werden, in ihre Gewalt bekommen sollten. Wenn die Einnahmeder unbedeutenden Festungen Galiläas den Römern so viel Schweißund Anstrengungen gekostet hatte, was hatte da die starkbefestigte Haupt-stadt zu fürchten!^ Die krampfhafte Stimmung wurde von der zu-

^ Jos. j. Kr. IV, 9, 10; Vita 65.

2) Das. jüd. Krieg IV, 3, 1.