Flavins Josephus.
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Joseph ben Matthia, mehr bekannt unter dem Namen FlavinsJosephus aus Jerusalem (geb. 37—38, gest. wahrscheinlich 95),stammte aus einer angesehenen Priesterlichen Familie und soll in weib-licher Linie mit dem hasmonäischen Hause verwandt gewesen sein^).Er erhielt mit seinem Bruder Matthia eine sorgfältige Erziehung underlangte durch den Umgang mit Gesetzeslehrern Kenntnisse in der Gesetzes-kunde ^), die indessen nicht sehr hoch anzuschlagen sind. Drei Jahre soller Jünger eines Einsiedlers Bauus gewesen sein, der in einer Wüstelebte, sich von Feldfrüchten ernährte und nach Essäerweise täglich inkaltem Wasser badete^). Josephus' Wissensdurst trieb ihn auch, sichauf die griechische Bildung zu legen. Mit vieler Mühe erlernte erindessen das Griechische; die Aussprache wurde seinem Organ soschwer, daß er selbst nach jahrelanger Beschäftigung eine große Ge-läufigkeit darin nicht erreichen konnte^). Im siebenundzwanzigsten Lebens-jahre hatte er Gelegenheit, nach Rom zu reisen, um sich für zwei alsGefangene dorthin gesandte Priester zu verwenden. Durch einenjudäischen Schauspieler Alityros bei der Kaiserin Poppäa eingeführt,gelang es ihm, die Befreiung dieser Gefangenen auszuwirken ^). Diejudenfreundliche Kaiserin beschenkte ihn noch dazu reichlich. DerAufenthalt in Rom war für Josephus' Charakterbildung entscheidend.Der Glanz des Neronischen Hofes, das Treiben der Weltstadt, dieRiesenhaftigkeit der Staatsinstitutionen blendeten ihn so sehr, daß erdie römische Macht für die Ewigkeit gebaut und von der göttlichenVorsehung besonders begünstigt glaubte. Er sah hinter dem Purpurund dem Golde die Eiterbeulen nicht, au denen Rom gerade damalskrankte. Josephus war von diesem Augenblicke au ein Anbeter desRömertums.
Mit überschwenglicher Bewunderung für Rom erfüllt, mußtenihm bei seiner Rückkehr nach Jerusalem die Verhältnisse Judäas ver-kümmert und zwerghaft erscheinen. Wie mußte er über das Gebührender wütenden Zeloten lachen, die von nichts Anderem träumten, alsdavon, die Römer aus Judäa zu werfen! Sie kamen ihm wie Wahn-sinnige vor. Er versuchte daher mit seinen gesammelten Erfahrungendie keimenden Revolutionspläne zu erschüttern ^). Er hielt sich, kaumdreißig Jahre alt, für den Klügsten seiner. Nation; war er doch durch
*) Vita 1; Altert. XVI, 7, 1. Das Geburtsjahr genau bestimmtLIintou §asti Lom. I. aä. 38, über sei» Ende Monatsschr. 1877, 236 ff.jVergl. jedoch die Ausführungen Schürers 1^, 88. 597ff., die ich für durch-schlagend halte. Danach ist Josephus erst zu Beginn des 2. nachchristlichenJahrhunderts gestorben.j
2) Vita I. Das. 2. Das. Altert. Ende. -h Das. Vita 3.
°) Das.
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