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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
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465
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Der Abtrünnige Antiochos von Antiochien. 465

Die zwischen Jndäern und Heiden ausgebrochene Feindseligkeit,die in Cäsarea ihren Anfang genommen hatte, wälzte sich bis nachAlexandrien Z fort und veranlaßte unter den Jndäern der ägyptischenHauptstadt ein Gemetzel, welches um so betrübender war, als es aufden Befehl eines Abtrünnigen erfolgte. Die alexandrinischen Griechen,deren Eifersucht auf ihre judäischen Mitbürger nicht erloschen war,wollten den Kaiser Nero angehen, den Judäern die Gleichstellung zuentziehen, obwohl Claudius sie ihnen bestätigt und besiegelt hatte (o.S. 344). Sie versammelten sich zu diesem Zwecke im Amphitheaterder Stadt, um eine Gesandtschaft auszuwählen. Als die aufgeregteVolksmenge einige Judäer bemerkte, die sich in die Versammlung ein-geschlichen hatten, um Kunde von dem sie so nahe angehenden Be-schlüsse zu haben, fielen sie über dieselben her, beschimpften sie alsSpione und schleiften drei davon durch die Straßen, um sie lebendigzu verbrennen. Aufs tiefste durch die Mißhandlung ihrer Brüder er-regt, setzten sich die Judäer zur Wehr, ergriffen Fackeln und drohten,das Amphitheater, wo die Griechen noch versammelt waren, in Brandzu stecken. Als sie aber schon Miene machten es auszuführen, mischtesich der Statthalter Tiberius Alexander ein, um dem Umsichgreifeneines verheerenden Bürgerkrieges zu steuern. Aber er goß noch mehrÖl in die Flamme; die Judäer Alexandriens haßten ihn als einenAbtrünnigen und warfen ihm seinen Abfall vor. Tiberius Alexanderverlor dabei so sehr alle Besonnenheit, daß er seine Legionen auf dasQuartier der Judäer losließ und ihrer nur mühsam zurückgehaltenenWildheit die Zügel löste. Sofort ergossen sich die blut- und raub-gierigen Soldaten gleich wilden Tieren auf das schöne Quartier Delta,ermordeten jeden, der ihnen in den Weg kam, verbrannten die Häuserund füllten die Plätze mit Blut und Leichen. 50 000 Judäer ver-loren in diesem Gemetzel ihr Leben, und der Mann, der diesen Mord-befehl erteilt hatte, war der Brudersohn des für seine Nation so be-geisterten judäischen Philosophen Philo.

So hatte die von dem Zelotenführer Eleasar ben Anania ange-fachte Bewegung die erschrecklichste Ausdehnung gewonnen. Das ver-gossene Blut wirkte verhängnisvoll. Die Revolution ergriff bald selbstdie Gleichgültigsten und verwandelte fast die ganze Nation in Zeloten.Die Zahl der mutigen Kämpfer vermehrte sich von Tag zu Tage; dieerwartete Unterstützung aus Adiabene und Babylonien traf ein. DieGlieder des adiabenischen Königshauses, Brüder und Söhne des KönigsJzates, die zum Teil in Jerusalem erzogen waren, von denen zwei

') Jüd. Kr. II, 18, 78.

Graetz, Geschichte der Juden. III.

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