Die Hohenpriester.
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mußten vor ihrer Funktion im Tempel am Versöhnungstage einenEid leisten, daß sie nicht im sadducäischen Sinne vom Hergebrachtenabweichen würden. Sie und ihr Nachfolger wurden bei Dem, welcherseinen Namen auf den Tempel hat nennen lassen, beschworen, daß sienicht wie Anan dem Sadducäertnm huldigten *). Ben Gamala hatteeine wegen ihres Reichtums berühmte Witwe geheiratet, Martha,Tochter aus dem hohenpriesterlichen Hause Boöthos, die den KönigAgrippa II. für zwei Maß Denare gewonnen haben soll, ihrem Ge-mahle die Hohenpriesterwürde zu übertragen 2). Dieser Schacher mitdem Heiligsten benahm dem Volke die Hochachtung vor Königtum undPriestertum zugleich, und es schritt, sobald es die Macht erlangt hatte,über den bestechlichen König und die bestechenden Hohenpriester mitVerachtung hinweg. Die Würdenträger trugen selbst dazu bei, sichverächtlich zu machen. Zwischen Josna ben Damua'r und seinem Nach-folger herrschte eine solche Gehässigkeit, daß ihre Leute sich einanderin den Straßen mit Schimpfwörtern und Steinwürfen befehdeten^).
Erstaunlich ist es, daß manche Hohenpriester nicht einmal imstände waren, ans der heiligen Schrift zu lesen.. Ein beständigerVorleser wurde den letzten vor dem Untergänge beigegeben, ihnen inder Nacht des Versöhnungstages vorzulesen, nm sie wach zu erhalten.Dieser Vorleser Zacharias b. Kabutal pflegte ihnen aus dem apoka-lyptischen Buche Daniel vorzulesen und anszulegen, weil darin Andeu-tungen gefunden wurden, daß das frevelhafte vierte Reich Rom ebenso demUntergange geweiht sei, wie die vorangegangenen Reiche^). Die Hohen-priester wurden damit gewarnt, sich nicht auf Rom zu stützen. Eswar ein Wink von seiten der Zelotenpartei.
Josna ben Gamala gehörte übrigens nicht einmal zu denschlimmsten Hohenpriestern. Die Verbesserung des Unterrichtswesens,die von ihm ausging, zeugt, daß er für gemeinnützige Anstalten Sorgetrug. — Bis zu seiner Zeit bestanden nur die von Simon ben Schetacheingeführten Schulen für erwachsene Jünglinge von sechszehn Jahrenaufwärts (S. 139), Kinderschulen für Knaben von fünf Jahren ab injeder Stadt rief erst Ben Gamala ins Leben, und sein Name wurdedeswegen von den Spätern mit Segen genannt^). Auch er blieb nichtlange in seiner Würde, er mußte sic Matthia b. Theophil abtreten(um 65), dem letzten der achtundzwanzig Hohenpriester durch römischeund herodianische WahlO). Die Entwürdigung des Hohenpriestertums
st Nisobua loma, l, 4. 'llosstta das. I, 8. Vsrgl. Note 19.
2) ledamoi 61 a. st Josephus das.
st Vergl. o. S. 264. st iz^rra 21 a.
st Josephus das. 9, 7. Vergl. Note 19.