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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabi's bis zum Untergange des judäischen Staates 2 (1906)
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Die letzten Herodianer.

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gebotenen Kräfte zuletzt gesiegt hätte, wenn sie nicht durch innereParteiung zerrissen, von Verrat umgeben gewesen wäre und nur einengünstigeren Augenblick abgewartet hätte, d. h. nicht von der Vorsehungzum Untergange als Nation bestimmt gewesen wäre.

Dieser Riesenkampf, der in der Weltgeschichte nur wenige Seiten-stücke hat, galt aber nicht bloß der Freiheit, wie ihn die Gallier,Germanen und Britannien ebenfalls gegen Rom führten, sondern hatteeinen religiösen Charakter; das judäische Volk fühlte sich in seinenreligiösen Gefühlen durch Roms Willkürherrschaft täglich gekränkt undwollte seine Unabhängigkeit nur zum Zwecke unbeeugter Religionsübuugerkämpfen und behaupten. Darum stumpfte sick das Freiheitsgesühltrotz öfteren Unglücks im Kampfe nicht ab, steigerte sich vielmehr mitjedem Tage zu einer Empfindlichkeit, die in dem geringfügigsten An-lasse Angriffe auf die heiligsten Überzeugungen erblickte. Rom hatzwar nur selten, wie unter Caligula, das Judentum bedroht, cs schontevielmehr im allgemeinen die religiöse Empfindlichkeit der Judäer,aber es verletzte sie doch unwillkürlich durch sein strenges Regimentund seine eifersüchtige Überwachung. Außerdem hatte es durch seineVerführuugsküuste den edelsten Teil der Nation vergiftet und ihngegen Pflicht und Überzeugung taub gemacht. Die Wachsamen desVolkes fürchteten nüt Recht, daß diese Erstorbenheit der edelstenGlieder bald de» ganzen Nationalkörper ergreifen würde.

In der Tat herrschte in den aristokratischen Familien eine sotief eingewurzelte Sittenverderbnis, daß ihr vergiftender Einfluß auf dieMittelklassen nicht ansbleiben konnte. Das schlechte Beispiel ging vonden letzten Gliedern des herodianischen Hanfes aus, die, in Rom oderan den kleinen Höfen der römischen Vasallenfürsten erzogen, die Ent-artung der Römer nachahmten. Agrippa II. (geb. 27, gest. 9193),Sohn des letzten edlen judäischeu Königs Agrippa I., sog beim Todeseines Vaters als siebzehnjähriger Jüngling die verpestete Luft desrömischen Hofes ein, wo die Messaliuen und Agrippinen die scheuß-lichsten Laster offen zur Schau trugen. Nach dem Ableben Herodes II.,des Titularköuigs, der das Recht hatte, die Hohenpriester abzusetzenund zu ernennen so. S. 361) übertrug ihm Claudius dieses Rechtund belehnte ihn auch kurz darauf mit dem winzigen KönigreicheChalkis (49 bis 50), dem Herrschergebiete eben dieses Herodes ^). Manflüsterte sich heimlich zu, daß dieser Sproß des hasmonäischen undherodianischen Hauses mit seiner nur um ein Jahr jünger», wegenihrer Schönheit berühmten Schwester Berenice in Blutschande letztes,

H Jos. Altert. XX. 5, 2. Vgl. o. S. 344.

") Das. XX. 7. 3. Invenal Lat. 6, 153 fg.