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Geschichte der Juden.
selbst entfloh zu Fuß, und Barak eilte hinter ihm her. Es war einentscheidender Sieg. Sisera, der so sehr gefürchtete Feldherr desKönigs Jabin, fand einen unerwarteten Tod. Er hatte auf seinerFlucht einen Vorsprung gewonnen, war keuchend und Schutz suchendin das Zelt eines Keniten Cheber eingetreten, der auf friedlichemFuße mit den Kanaanitern und zugleich mit den Israeliten stand.Er hielt sich hier für geborgen, stillte seinen lechzenden Durst undschlief vor Müdigkeit ein. Es erfolgte kein Erwachen darauf. ImSchlafe trieb Jael, die Frau des Keniten, dem kanaanitischeuFeldherrn einen Zeltpflock mit dem Hammer in die Stirn, undals Barak, ihn suchend, in die Nähe des Zeltes kam, rief sie ihmentgegen: „Komm, so werde ich Dir den Mann zeigen, den Dusuchest". Die israelitischen Streiter, durch den Erfolg muthig gemacht,scheinen aus der Vertheidigung zum Angriff übergegangen zusein und den König Jabin bekriegt zu haben. Aus bedrücktenUnterthanen wurden sie Meister über die nördlichen Kanaaniter.
Dieser so unerwartete, so entscheidende Sieg, der erste seit denTagen Josua's, hatte auch nach einer anderen Seite hin günstigeFolgen. Diejenigen, welche Betheiligte oder Zeugen der Vorgängewaren, wie durch den Zauber aus dem Munde eines Weibes dieMutlosigkeit in Todesverachtung umschlug, und die Ermannung zumSiege führte, fanden sich wie von einem geistigen Hauche angeweht.Sie fühlten sich wieder als Glieder einer Gesammtheit, die eine ge-meinsame Vergangenheit vereinte und die einer gemeinsamen Zukunftentgegen gehen sollte. Das Hochgefühl, ein Volk Gottes zu sein,ist erst durch diese Erhebung und diesen Sieg unter Debora undBarak in das Bewußtsein der Israeliten eingezogen und zur klarenUeberzeugung geworden und hat erst dadurch in scharfer Fassung Aus-druck gefunden. Sobald in einer Gesammtheit ein dunkles Gefühl sichzum klaren Worte ringt und zur Selbsterkenntniß führt, wird eszur mächtigen Triebkraft und leistet Staunenswerthes, offenbart,was in der Charakteranlage verborgen ruhte, und verwirklicht ihrinnerstes Wesen.
Eine nicht geringe Wirkung der Vorgänge, die sich an dieUnterdrücker Jabin und Sisera und an die Retter Debora undBarak knüpfen, war die Entfaltung einer echten Poesie, die schonden Stempel naher Vollendung an sich trägt. Ein Dichters, wahr-
tz Man sollte doch aufhören, das Debora-Lied der Debora selbst zu vindi-ciren. Wie konnte sie sich selbst „Mutter in Israel" nennen! Man hat eine