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1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
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Sittliche Anregung.

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heit, ungehemmtes Nachgeben den sinnlichen Regungen, derZügellosigkeit, die der König und der Priester im Volke nur zubändigen suchten, wenn ihre eigenen Gelüste davon durchkreuztwerden konnten. Die glühende Sonne und der ungedämmt Allesüberschwemmende Nil, der wuchernde Lotos, der geile Stier oderBock, waren den Aegyptern nicht bloß Symbole, sondern An-reizungen zur Ausschweifung und Maßlosigkeit. Der Phalluscultus,welcher das Widrigste zur Schau stellte und der religiösen Ver-ehrung weihte, gleichviel ob er in Aegypten oder in Indien ent-standen und der auch von den Griechen gehegt wurde, ist ein Er-zeugniß des Bodens. Die Bodenbeschaffenheit des israelitischenLandes dagegen Predigte Selbstbeschränkung, Maaß und Ordnungin Thun und Lassen und unterstützte die sinaitische Lehre vonder Heilighaltung der Schranke (Oböü) und von der Uebernahmeder Pflicht. Das todte Meer, welches die frevelhaften sodomitischenStädte bedeckte, war ein Erinnerungszeichen für Uebertretung derSchranken und Vergessenheit der Pflicht.

Das jenseitige Jordanland, Gilead, die ehemaligen Besitzungender Emoriter und der Könige Sichon und Og, welche die StämmeReuben, Gad und Halbmanasse eingenommen und behalten hatten,bot zwar ähnliche Erscheinungen wie das diesseitige. Auch vonseinen Bergspitzen kann das Auge weite Strecken überblicken. Moseüberschaute vor seinem Tode von der Spitze des Pisgah aus dasganze jenseitige Land bis zum Fuße des Hermon, daun das ganzediesseitige Gebirgsland bis zum Norden, die ganze Mitte und denSüden bis Zoar, die Palmenstadt im Südost-Winkel des todtenMeeres. Aber das wellenbewegte rauschende Meer kann man vomjenseitigen Lande nicht sehen, höchstens einen blauen Streifen da-von. Hier hatte die Poesie nicht genügende Anregung, wie imdiesseitigen Lande. Gilead hat, soweit die Kunde reicht, keinenDichter erzeugt und zur Reihe der Propheten nur einen einzigengestellt, der rauh und wild war wie die Bergformen und dierauschenden Schluchten dieser Landschaft. Der Jordan bildete nichtbloß eine natürliche, sondern auch eine geistige Grenzscheide. Dasdiesseitige Land Israel hatte auch noch einen anderen Vorsprungvor Gilead. Dort hatten die Stämme bei der Eroberung bereitsfeste Städte und Städtewesen, die erste Grundlage zur bürger-lichen Gesittung angetroffen, während in Gilead nur wenig Städte