Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

Brautstand Israels in der Wüste.

49

dauernden, muthigen Gemeinde herangebildet. Er theilte ihnennach und nach Gesetze mit und sorgte dafür, daß sie in ihr Inneresausgenommen wurden. Mose umgab sich mit einem Senate, be-stehend aus den Häuptern der siebzig Familien. Diese siebzig

Aeltesten, das Musterbild für spätere Institutionen, sollten ihmdie Last der öffentlichen Geschäfte erleichtern und an allen wichtigenBerathungen und Ausführungen Theil nehmen. Sodann setzte er,auf Anrathen seines Verwandten Jethro, höhere und niedere Richterein, über je tausend, hundert und zehn Familien. Die Wahl der-selben überließ er dem Volke, das seine besten Männer selbst aus-suchen und ihm empfehlen sollte. Den Richtern schärfte er ein,

gerecht zu richten, nicht blos in Streitigkeiten zwischen Stamm-genossen, sondern auch zwischen Israeliten und Fremdlingen. Siesollten das Ansehen der Person nicht achten, den Geringen, wie denAngesehenen gleich behandeln, sich von Bestechung fern halten undfurchtlos nach strengem Rechte urtheilen,denn das Recht istGottes". Er selbst, die Quelle des Rechts, wache darüber^).

Nächstenliebe, brüderliche Gemeinschaft, Standesgleichheit, Mildeund Gerechtigkeit, das waren die Ideale, welche Mose dem von ihm

erzogenen jungen Geschlechte vor Augen stellte, die einst verwirklicht

werden sollten. Es war eine schöne Zeit, in der solche Lehren undGesetze einem Volke als die innerste Seele seines Wesens ein-gehaucht wurden. Die Jugendzeit der israelitischen Volksbildung warmit Idealen verklärt. Es war der Brautstand der jungfräulichenTochter Israels, als sie ihrem angetrauten Gotte in Liebe durch einLand folgte, das keine Saat kannte^. Es war eine reiche Gnaden-zeit, welche der Poesie Stoff zur Verherrlichung bot:

Gott versorgte das Volk in der Wüste,

Umgab und erzog es,

Bewahrte es wie den Augapfel,

Wie ein Adler überwacht sein Nest,

Ueber seinen Jungen schwebt,

Seine Flügel ausbreitet,

Sie nimmt und auf seinen Schwingen fortträgt.

So hat Gott allein es geleitet,

Und kein fremder Gott war neben ihm" 3).

p Deuteron. 1, 1317; Leviticns 19, 15; Exodus 23, 69.

2) Jeremia 2, 2.

3) Deuteron. 32,1012 das Verbum geben die 4,XX gut wieder

durch gleich und iNdlilN'' durch k7r«lc>Lo<tL^.

Graetz, Geschichte der Juden. I. 4