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Die Auserwähltheit sollte ihm lediglich eine größere und schwerereVerantwortlichkeit, ein volleres Maaß von Pflichten auflegen. Essollte sich als „Knecht Gottes", als Vollstrecker seiner Lehre, alsHeilsbote einer höheren sittlichen Weltordnung betrachten, es solltedafür ein Märtyrerthum bestehen, und es hat es ruhmreich und mitBewußtsein bestanden. Seitdem ihm seine Aufgabe, als Träger einereigenen, religiös-sittlichen Weltanschauung, klar geworden ist, hat esdiese über Alles geschätzt, höher als Vaterland und Nationalität,höher selbst als das Leben. Und weil es sich selbst als Opfer dar-gebracht hat, erlangte es Lebensdauer und Unsterblichkeit. Es wardas erste Volk, das den Muth einer Meinung hatte und für seineinnere Ueberzeugung die Lebensgüter eingesetzt hat. Es war daserste Volk, welches bewiesen hat, daß eine fördersame Wahrheitnur durch Blutzeugen besiegelt werden kann. Die Ueberzeugnngs-treue gab ihm diese Standhaftigkeit und Ausdauer. Sein Kernkann nicht gar zu schlecht gewesen sein, da es der zerstörendenGewalt von beinah vier Jahrtausenden und einer ganzen Welt vonFeinden hat trotzen können.
Die Geschichte des israelitischen Volkes in seinen Anfängenhat daher einen durchaus abweichenden Charakter. Zweierlei Fak-toren bestimmen ihren Auf- und Niedergang, ein körperhafterund ein geistiger, oder ein politischer und ein religiös-sittlicher. Zuerst vertreten die Volksführer, die Richterhelden unddie Könige im Allgemeinen die eine und die Leviten und Prophetendie andere Richtung. Je mehr aber die Ueberzeugung vom dereigenartigen Lehre Gemeingut des Volkes wird, desto mehr uähernsich beide Strömungen und fließen zuletzt zusammen. Anfangs istdie politische Strömung stärker und verdeckt die andere so sehr, daßvon ihr lediglich vereinzelte schwache Spuren und nur für das ge-schärfte Auge sichtbar werden. Bis tief in die Königsepoche hineinkommt nur der Politische Charakter der israelitischen Geschichte zum Vor-schein. Daher der trügerische Schein, daß dieser ihr ausschließlicher
denen die Propheten ihm einen inneren Vorzug absprcchen. Deuteron. 9,4—5.„Nicht wegen deines Verdienstes und deiner Herzensgradheit sollst du dasLand in Besitz nehmen." Amos 9,7: „Ihr seid mir nur eben so viel wie dieActhiopier." In demselben Sinne ist auch Amos 6,1—2 zu nehmen. Jesaia42, 19: „Wer ist so blind, wie mein Knecht, so taub wie mein Bote, den ichansgescndet?"