Einleitung.
Die Anfänge eines Volkes sollen hier erzählt werden, dasaus uralter Zeit stammt und die zähe Ausdauer hat, noch immerzu leben, das, seitdem es vor mehr denn drei Jahrtausenden aufden Schauplatz der Geschichte getreten ist, nicht davon Weichen mag.Dieses Volk ist daher zugleich alt und jung; in seinen Zügen sinddie Linien grauen Alterthums nicht zu verwischen, und doch sinddiese Züge so frisch und jugendlich, als wäre es erst jüngst ge-boren. Lebte ein solcher steinalter Volksstamm, der sich in ununter-brochener Reihenfolge der Geschlechter bis ans die Gegenwart er-halten, und unbekümmert um Andere und unverkümmert von Anderen,sich von der Barbarei des Urzustandes losgewunden, sonst abernichts Besonderes geleistet und keinen Einfluß auf die übrige Weltausgeübt hätte, lebte ein solcher Stamm in einem entlegenen Winkelder Erde, so würde er als eine außerordentliche Seltenheit ausge-sucht und erforscht werden. Ein Stück Alterthum aus urdenklicherVorzeit, das Zeuge der Gründung und des Zerfalles der ältestenWeltreiche war, und das noch in die unmittelbare Gegenwart hineinragt,verdiente allerdings volle Aufmerksamkeit. Nun hat aber das Volk,dessen Urgeschichte hier erzählt werden soll, das hebräische oderisraelitische, nicht in umfriedeter Einsamkeit und beschaulicherWeltflucht sein Dasein zugebracht, sondern es wurde zu allen Zeitenin den Strudel der weltgeschichtlichen Sturmflut hineingerissen, hatgekämpft und gelitten, ist in seinem mehr denn dreitausendjährigenBestände oft gestoßen und verwundet worden, es trägt viele Ehren-wunden, und die Krone des Märtyrerthums versagt ihm Niemand —und lebt noch. Es hat auch Manches geleistet, was ihm nur