Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
VIII
Einzelbild herunterladen
 

VIII

und philologische Vertrautheit mit der hebräischen Sprache undLiteratur zu besitzen. Denn obwohl diese Quellenschriften in ihrerTotalität seit Jahrtausenden offen da liegen, ist doch Verschieden-artiges und Entgegengesetzes daraus herausgelesen worden. Jenach dem Standpunkt der Forscher hat der eine die biblische Ge-schichte sublimirt und verhimmelt, in jedem Buchstaben eine Heils-wahrheit gefunden und der andere sic alsJndengeschichte" inden Staub gezogen. Das Bild, welches der Supranaturalis-mus von dieser Geschichtsperiode entworfen hat, ist so grundver-schieden von dem, welches der Rationalismus in allerlei Formendavon gezeichnet hat, daß, wenn dieselben Eigennamen nicht inbeiden Darstellungen herausklängen, ein Leser schwerlich daraufkommen könnte, daß beide von einem und demselben Volke sprechen.

Es gehört nothwendiger Weise zur Bildung eines selbstständigenUrtheils und zum richtigen Verständniß der Quellenschriften etwas,was der historische Takt und die gründlichste hebräische Philologienicht ersetzen können. Man muß die biblischen Schriften in demLande lesen, wo sie ihren Ursprung haben, oder man muß denbiblischen Schauplatz mit der Bibel in der Hand bereisen. Esstand bei mir seit der Zeit meiner ersten schriftstellerischen Thätigkeitauf diesem Gebiete fest, daß der Schlüssel zu manchem Räthselhaftenund Unverstandenen in der biblischen Literatur in ihrer Heimathzu suchen sei; es wäre daher meinerseits Vermessenheit gewesen,die Geschichte des Landes zu schreiben, ohne dieses zu kennen oderes nur aus Büchern zu kennen. Erst im Frühjahr 1872 ist esmir vergönnt worden, in Gesellschaft zweier lieben Freunde, dasLand der Väter mit eigenen Augen zu sehen und zu erforschen,und diese Palästinafahrt hat mir den Muth gegeben, an die Aus-arbeitung der Urgeschichte zu gehen. Diese lege ich hiermit meinenLesern vor.

Ich habe zwar auf meinem Ausflüge nach dem heiligen Landekeine antiken Schätze entdeckt, war auch nicht, auf eigene Mittelangewiesen, im Stande, weitläufige Nachgrabungen zu halten, umdie ursprüngliche Lage aller zweifelhaften Localitäten fixiren zukönnen. Mein Sinn war auch gar nicht darauf gerichtet, sondernlediglich darauf, mich mit der Natur dieses merkwürdigen Landesin Contakt zu setzen, welche dieselbe geblieben ist, wie zur ZeitAbraham's, Josua's, David's, Jesaias, Esra's und der Makkabäer.