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die böse Scharte wieder auszuwetzen; doch glückte es ihmnur zum Teil, sich zu rehabilitieren, das verlorene Terrainwar nicht mehr zurückzuerobern.
Das unverhoffte Mißgeschick war wohl, wie wir heutenachträglich gestehen müssen, dem aufstrebenden Gelehrten undseinem Lebenswerk zum Heil gewesen, so unsanft er auch hier-durch auf diejenige Bahn gedrängt wurde, für welche er mitGaben und Kräften ausgestattet ivar wie kein anderer mehr.In jenen Tagen allgemeiner Gärung wurde das religiöse Lebender jüdischen Gemeinden von so entgegengesetzten, verwor-renen und stürmischen Strömungen durchsetzt und aufgewühlt,daß ein Manu von dem unbezwingbaren Trieb zu wirken undzu schaffen, und wo es erforderlich schien, selbständig und selbst-tätig einzugreifen, von dem angeborenen Hang, mit seinerÜberzeugung nicht zurückzuhalten, und noch dazu mit der ver-fänglichen Gabe, seiner Meinung einen treuen, schlagendenund kaustischen Ausdruck zu geben, es wohl schwerlich fertiggebracht hätte, in dem Nachen eines rabbinischen Amteszwischen den mannigfachen Klippen eines zumeist fanatischenParteigetriebes glücklich hindurchzulavieren. Er hätte ent-weder seiner Natur und seinem Genius untreu werden, oderwenn dies nicht anging, schließlich einmal scheitern müssen;allenfalls hätte er, falls ihm ein genügendes Maß von Welt-klugheit und Gewandtheit zu Gebote gestanden, tu mehr oderminder heilsamen Schöpfungen oder Einrichtungen auf einemeng beschränkten Arbeitsfeld seine besten Kräfte aufgezehrt.Graetz selbst, der sich gut kannte, hatte immer davor gebangt,daß er im rabbinischen Amt nicht an seinem Platz sein würde,der Gedanke an die Pflichten und Verantwortlichkeiten einesRabbiners machte ihm jederzeit Pein. Wenige Tage bevorer nach Gleiwitz abging, bemerkte er .in seinem Tagebuch:„Unter allen Ämtern ist das Rabbinat am wenigsten für michgeschaffen, mir fehlt auf allen Seiten jene Macht derErscheinung,des imponierenden Auftretens. Auch ist mein Wissen höchstmangelhaft, aber inein Wille ist stark, energisch. Wenn Gottmit einem solchen Werkzeug gedient ist, dann stehe ich da mitLeib und Seele; aber das Predigen!" In der Tat, das Flügel-roß der Predigt, das nicht bloß der edlen Begeisterung derwenigen Auserwählten mit Lust und Feuer dient, sondernauch zahllosen Dutzendmenschen zu mehr oder minder zweifel-