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auf, um sich mit der heimischen Flora, wie mit dem gestirntenHimmel vertraut zu machen. Eine wunderbar schnelle Fassungs-gabe, ein glückliches Gedächtnis und ein weltverlorener Fleiß,dazu eine eiserne Körperkonstitution mit unverwüstlicher Arbeits-kraft, der es nichts schadete, daß er Essen, Trinken undSchlafen vergaß, um auf eiu vorgestecktes Ziel loszugeheu,führte ihn schließlich zum Erfolg. Trotz seiner Bedürfnis-losigkeit hatte er immer wieder mit Mangel und Not zu kämpfen;er war eine stolze, unabhängige und eigentlich auch unpraktischeNatur, dem ein übertriebenes Ehrgefühl selbst zu einer berech-tigten Bitte den Mund schloß, ja der es vorzog, seine Sorgenvor anderen zu verheimlichen und beispielsweise an manchemSabbath, für welchen Tag man die Talmudschüler doch gernereichlich versorgte, trockenes Brot zu essen und unbekümmertum Wind und Wetter mit einem Buche in der Tasche sich insFreie hinauszuschleichen, um nur in seiner Hilflosigkeit nichtentdeckt zu werden, bis endlich der eine oder andere Freunddoch dahinter kam und Wandel zu schaffen half. Er selbst,jederzeit sanguinisch gestimmt, suchte und fand in den Büchernseinen Trost.
Es ist geradezu erstaunlich, was Graetz alles in den 4^/zJahren seines Wollsteiner Aufenthaltes zusammengelesenund zusammengelernt hat. Den meisten Fleiß verwandteer auf französische Sprache und Literatur, welche damalshoch im Kurse stand und der er mit großer Vorliebe oblag:mit den landläufigen Werken Voltaires, Rousseaus, Fene-lons u. a., wie mit den Dramen von Racine und Viktor Hugo,hatte er sich völlig vertraut gemacht. Bon deutschen Klassikernfesselte ihn neben Lessing, Mendelssohn, Schiller n. a. nament-lich Wieland, mit dem er sich eifrigst beschäftigte; auffälliger-weise ist in seinen Tagebüchern niemals von Goethe die Rede,als ob ihm dieser Geist, sei es durch Zufall oder aus anderenGründen, fremd geblieben wäre, dagegen wurde er in derletzten Wollsteiner Zeit auf die Schriften von Börne, Heineund Saphir aufmerksam, von denen der in ihm schlummerndeHang zu Spott und Ironie geweckt wurde. Die schwersteQual hatte er mit den lateinischen Schriftstellern, doch be-wältigte er den Cornelius Nepos, den Curtius, von OvidsMetamorphosen und Virgils Aneide mehrere Bücher. Daßer zugleich eine große Belesenheit im rabbinischen Schrift-