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Kühnheit ihres Charakters an sich. Damit jedoch das Gespräch nichtzu rasch abbreche, oder ein Verdacht von ihrer Absicht in Wild-tödter rege werde, beantwortete sie seine letzte Bemerkung so ernstund wahrhaft, als wäre ihr ursprüngliches Vorhaben ganz unver-ändert geblieben.
„Ich habe gewiß keinen Grund, mich meiner Abstammung zurühmen, nach dem, was ich heute Nacht erfahren habe," sagtedas Mädchen in traurigem Tone. „Ich habe eine Mutter gehabt,das ist wahr; aber nicht einmal ihren Namen weiß ich; und wasmeinen Vater betrifft, so ist es vielleicht besser, ich erfahre nie.Wer er gewesen, damit ich nicht zu bitter von ihm spreche!"
„Judith!" sagte Wildtödter, srenndlich ihre Hand ergreifendund mit einer männlichen Aufrichtigkeit, die dem Mädchen an'sHerz griff, „es ist besser, wir sprechen heute, Nacht Nichts weiter.Schlaft über dem, was Ihr gesehen und empfunden habt; amMorgen nehmen sich vielleicht Dinge, die jetzt düster erscheinen,freundlicher aus. Vor Allem, thut nie Etwas in der Bitterkeitdes Herzens, oder weil Euch so zu Muthe ist, als nähmet Ihrgern an Euch selbst Rache für anderer Leute Verkehrtheiten.Alles was heute Nacht zwischen uns gesprochen und verhandeltworden, ist Euer Geheimniß, und ich werde nie davon reden, selbstnicht mit Schlange; und seyd gewiß, wenn er es nicht aus mirheraus kriegt, so kriegt es Piemand heraus. Wenn Eure Elternsündhaft gewesen sind, so sey es die Tochter desto weniger; be-denkt, daß Ihr jung seyd, und die Jungen dürfen immer aufbessere Zeiten hoffen; daß Ihr schnelleren Verstandes seyd als ge-wöhnlich ist, und Solche meist leichter über Schwierigkeiten weg-kommen, und daß Eure Schönheit eine ungemeine ist; das ist einVortheil bei Allen. Es ist Zeit, ein wenig Ruhe zu genießen,denn Morgen wird wohl für Eins oder das Andere von uns einTag heißer Prüfung werden."
Mit diesen Worten stand Wildtödter auf, und Judith hatte